Andachten

Kurz innehalten. Sich für einen Moment besinnen, woher wir eigentlich kommen, was wichtig ist im Leben. Dabei helfen uns kurze Andachten. Die Pastorinnen und Pastoren des Kirchenkreises Rotenburg verfassen jede Woche zwei Zeitungsandachten für die Rotenburger Rundschau und die Rotenburger Kreiszeitung. Wir veröffentlichen sie hier und schaffen damit ein Archiv, auf das Sie zurückgreifen können, wann immer Sie möchten. Denn: Ihre Zeitung werfen Sie irgendwann in den Papierkorb. Die Andachten behalten jedoch ihre Gültigkeit jenseits der Tagesaktualität.

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So. 02.11.14
Ranunkels helles Dunkel
Dr. Matthias Wilke
Ranunkels helles Dunkel

"Der kleine Geist Ranunkel hat immer Angst im Dunkeln; nur mit Taschenlampenlicht fürchtet er sich nicht ...Angst hat doch jeder mal, ... Angst ist doch ganz normal, schäm' dich deswegen nicht." Über dieses Lied bin ich im Internet gestolpert - und habe spontan gedacht: genau! Denn wenn ich mich wegen meiner Angst auch noch schäme, dann wird alles ganz leicht - noch viel schlimmer.

Was sich mit Kindern locker singt, das gesteh ich mir selbst vielleicht gar nicht mehr so locker zu. Dabei gibt es doch viel "Dunkel", vor dem nicht nur ein kleiner Geist große Angst hat. Drum nehme ich mal ohne Scham, eine "Taschenlampe" in den Arm - und gucke: Die Zukunft. Was die Zukunft bringt, liegt im Dunkeln. Das Kinderlied sagt: "Du musst dich nicht schämen, Angst zu haben vorm Dunkeln." Und ich nehme Worte des Glaubens mir als Licht und lese: "Gott ist es, der in euch wirkt ... das Wollen und das Vollbringen nach seinem Wohlgefallen" (Brief des Paulus an die Philipper 2, 13).

Die Vergangenheit: Das was geschehen ist - warum? Was in der Vergangenheit liegt, mag dunkel drücken. Das Kinderlied sagt: "Angst vor dem Dunkeln ist doch ganz normal." Und die Worte des Glaubens wollen mir zeigen: "Gott ist es, der in (und an) euch wirkt ...".

Nachdenklich still halten meine Hände diese Worte fest.

Der 1.11.2014. Ich gucke um mich herum und lese noch einmal das Kinderlied: "Angst hat doch jeder mal ..., Angst ist doch ganz normal." Sie ist normal, aber meine betenden Hände suchen mehr als das "Normale". Sie suchen nach dem Licht, das in den Worten liegt: "Gott ist es, der ... wirkt ... nach seinem Wohlgefallen." Lebe mutig, Du mein kleiner Geist, mit Furcht und Zittern!

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Dr. Matthias Wilke

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Mo. 29.09.14
Weit außerhalb von Qaqortoq
Peter Handrich
Weit außerhalb von Qaqortoq

Als sich nach den Bundestagswahlen 2025 die erste große Koalition zwischen AFD und der Neuen Allianz abzeichnete, dachten wir zum ersten Mal darüber nach, das Land zu verlassen. Geordnet. Gut vorbereitet. Aber meine Frau und ich hätten eine neue Sprache lernen müssen, hätten von den Verwandten und Freunden wegziehen müssen. Und so ließen wir es. Als 2028 Deutschland aus der Europäischen Union austrat, war es plötzlich zu spät dafür. Mit der Gehbehinderung meiner Frau, unserem Alter und der Tatsache, dass wir nicht reich waren, würde uns kein Land der Welt aufnehmen. Als 2030 das Gesetz zum eingeschränkten Wohnrecht behinderter Menschen rechtswirksam wurde, wussten wir plötzlich, dass wir Deutschland illegal verlassen mussten. Trotz der Effektivität der Polizei und der Tatsache, dass wir durch Internet und Smartphones zu gläsernen Menschen geworden waren, gelang es uns, den Kontakt mit einer Organisation herzustellen, die uns von Rerik aus über Ostsee, Nordsee und Atlantik nach Grönland bringen wollte. Es kostete uns 120.000 Neue Mark. Ein alter Fischtrawler wurde so voll mit Menschen geladen, wie es nur ging. An Schlafen war nicht zu denken, manchmal auch nicht an Sitzen. Aber Hauptsache raus aus diesem Land! Gegen unsere Befürchtungen kamen wir tatsächlich in Grönland an. Unser illegaler Landgang in der Nähe von Tasiilaq flog aber auf, und wir kamen in ein Lager weit außerhalb von Qaqortoq. Hier werden wir halbwegs gut verpflegt, haben nichts zu tun und dürfen nicht in die Stadt. Wir wohnen mit einem Ehepaar aus Berlin-Dahlem in einem Zimmer und gehen uns auf die Nerven. Wir wissen nicht, wie es weiter gehen wird. Gestern war „Tag des Flüchtlings“. Haben Sie an uns gedacht?

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Peter Handrich

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Sa. 05.07.14
Denkpause: Suche Hühner
Dr. Matthias Wilke
Denkpause: Suche Hühner

sportlich, auch mal lustig, 30-50, schlank gewesen, erfolgreich verheiratet, beruflich eingebunden, Kinder auf gutem Weg, glücklich irgendwie und zufrieden sucht für die Freizeit gepflegte Hühner für freundlichen Hintergarten.

So in etwa könnte eine Annonce aussehen, wenn ich Hühner suchen würde. Aber warum sollte ich Hühner suchen? Nun, vielleicht, um zu wissen, was ich suche, wenn sie weggelaufen sein sollten. Denn, so schrieb schon der alte chinesische Weise Mengzi: „Gehen dem Menschen Hühner und Hunde verloren, so weiß er, wo er sie suchen soll. Geht ihm sein Herz verloren, so weiß er nicht, wo er es suchen soll.“ Also schaffe ich mir Hühner an. Ganz abgesehen davon, dass Hühner auch noch Nutzen bringen. Ei, wie könnte ich mich dann darauf freuen, des Morgens in den Stall zu pilgern und zu suchen. Ich wüsste jeden Morgen genau, wonach ich Ausschau halte, und würde das Gefundene voller Freude – in die Pfanne hauen.

Und mein Herz? Das hat auch nichts gegen Eier, auch wenn ich zugebe, dass ihm doch noch nach mehr verlangt. So eine Tasse Kaffee dazu, das wäre schon nicht schlecht, und, ja, auch etwas Schinken wäre fein. Und wenn ich dann – vielleicht so wie Sie jetzt, wenn Sie diese Zeilen lesen und sich fragen: „Was will er von uns?“ – wenn ich dann mein lecker Ei mit Schinken gegessen habe, dann könnte es passieren, dass ich in der „Denkpause“ dieser Zeitung lesen würde:  „Der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist“, ein Wort aus dem Neuen Testament, dem Lukasevangelium, Kapitel 19, Vers 10. Und ich würde in meiner Bibel nachlesen, was da steht – und mein Herz wäre da! – erfüllt von Fragen und Freude.

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Dr. Matthias Wilke

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Mo. 12.05.14
Augenringe(n)
Dr. Matthias Wilke
Augenringe(n)

 

Es gibt Tage, da sehe ich einfach „alt“ aus. Denken Sie z.B. an einen Morgen wie diesen: Die ganze Nacht haben Sie kaum zur Ruhe gefunden, weil ihr Kind Bauchschmerzen hatte oder vor Schnupfen nicht schlafen konnte; oder weil so viele Gedanken in Ihrem eigenen Kopf kreisten, dass der Schlaf einfach nicht kommen konnte. Am Morgen nun fragen Sie Ihren Spiegel, ob es diese Augen auch ohne dunkelmüde Einfassung gibt. Und jetzt stellen Sie sich ferner vor, an einem solchen Morgen setzen Sie sich statt in die Küche in die Kirche und jemand erzählt ihnen: „Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.“ Und das heute...

Wie kann ich „neu“ aussehen, wenn ich mich doch echt alt fühle? Wenn ich mit den Augenringen ringe, kann mir jemand noch so gut gemeint zu sagen versuchen, ich sei doch „top frisch“. Ich werde es ihm nicht glauben (mich höchstens, wenn es gut kommt, nicht veräppelt, sondern geschmeichelt fühlen). Aber eben genau darum geht es: was im Regelfall nicht klappt, passiert. Der Glaube sieht nicht nur darauf, wie ich mich selbst fühle, sondern auf „Christus“. „Ist jemand in Christus, so ist er… “. „In Christus“? Klingt krude, aber übersetzen Sie es einmal so: „Sieht sich jemand mit den Augen Christi an, so ist er“ … neu – und dann wird das schon eingängiger. Ich sehe meine Augenringe – gebrauchtes Leben. Die Augen, mit denen Christus mich anschaut, sehen den Glanz, der in den Ringen schläft. Liebe … Augenringe …

Übrigens, wenn Sie Lust haben, den Satz einmal nachzulesen: Er steht im Neuen Testament, im 2. Brief des Paulus an die Korinther, Kapitel 5, Vers 17.

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Dr. Matthias Wilke

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Di. 22.04.14
Dem guten Hirten folgen
Peter Thom
Dem guten Hirten folgen

Mit 14 Jahren erwachsen? Was die Religion betrifft, so ist das in unserer Gesellschaft rechtens. Mit 14 ist man religionsmündig. Bei der Konfirmation übernehmen die jungen Menschen für ihren Glauben selbst die Verantwortung.

Aber wie sollen sich die Konfirmanden entscheiden? Das Angebot auf dem Markt für Sinnstiftung und -deutung wächst enorm. Antworten, die Halt und Orientierung versprechen, kann man überall bekommen. Worauf kann man sich einlassen? Auf wen sollen die Konfirmanden hören?

Ein Reisender – so wird erzählt -  traf in Palästina an einer Wasserstelle auf drei Hirten, die ihre Tiere nicht nach Herden getrennt, sondern gemeinsam tränkten. Wie sollte da jeder Hirte seine eigenen Schafe wiederfinden?

Als sich die Tiere sattgetrunken hatten, nahm der eine Hirte seinen Stab und rief: „Men–ah!“ (folgt mir!). Sogleich schloss sich ihm seine Herde an. Dann rief der zweite Hirte, und das Gleiche geschah. Der Fremde fragte nun den letzten Hirten: „Würden deine Schafe auch mir folgen?“ Der Mann schüttelte den Kopf: „Versuch es!“ Da zog der Reisende den Mantel des Hirten an, band sich den Turban um, griff den Hirtenstab und rief: „Men–ah!“ Aber kein Tier folgte. „Nur wenn ein Tier krank ist“, lächelte der Hirte, „folgt es dem Nächstbesten.“

Darum geht es bei der Konfirmation: Nicht auf den Nächstbesten zu hören, vielleicht auf den mit den angenehmsten Versprechungen. Nicht dem nächstbesten, sondern dem guten Hirten folgen – das wär’s. Ich wünsche allen Konfirmanden, dass sie die Stimme Jesu kennengelernt haben. Er sagt:  „Ich bin der gute Hirte. Meine Schafe hören meine Stimme und sie folgen mir.“

Peter Thom, Visselhövede

 

 

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Peter Thom

Peter
Thom
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Mo. 07.04.14
Aushalten können
Peter Thom
Aushalten können

Jetzt in den Tagen vor Karfreitag betrachte ich aufmerksam das Bild des Gekreuzigten auf dem Wittorfer Altar. Besonders eindrücklich sind die Frauen unter dem Kreuz dargestellt: Sie sind immer noch bei Jesus. Seine Jünger sind längst davon gelaufen, haben sich in Sicherheit gebracht. Sie, die Frauen sind geblieben. Sie erleben das grauenhafte Leiden, halten mit ihm aus. Er stirbt am Kreuz und sie bleiben ihm nahe. Ihre Anteilnahme ist stärker als alle Angst. Sie werden auch dabei sein, wenn er ins Grab gelegt wird. Und sie werden die ersten Osterzeugen sein.

Aushalten können, das ist die Stärke dieser Frauen. Sie können das Unrecht nicht aufhalten. Sie können am Leiden nichts ändern. Sie sind machtlos. Aber in dieser Ohnmacht haben sie die Kraft zu bleiben.

Ich denke an die Angehörigen, denen es gelingt, mit einem Schwerkranken mitzuleiden und diesen Leidensweg gemeinsam zu ertragen. Ich denke an die Pflegekräfte in den Kliniken und Pflegeheimen, für die es zum Berufsalltag gehört, Leidenden nahe zu sein. Ich denke an die Ehrenamtlichen im Hospiz, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, Sterbende zu begleiten. Wie viel Kraft gehört dazu!

Das kann nicht jeder. Das muss auch nicht jeder können. Aber wo Menschen es schaffen, anderen in ihrer schwersten Stunde nahe zu bleiben, da ist das ein großer Segen.

Als Vikar besuchte ich einen Patienten im Krankenhaus. Ich fand ihn abstoßend, geradezu widerlich. Ich erzählte meiner Mentorin davon. Sie riet mir: „Schau diesem Menschen ins Gesicht! Betrachte ihn so lange, bis du seine Schönheit entdeckt hast.“ Das ist es: Ich muss solange aushalten, bis ich im Angesicht des Leidenden den Menschen erkannt habe, den Gott liebt.

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Peter Thom

Peter
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Mo. 10.03.14
Fasten
Jens Ubben
Fasten

Irgendwann ist Fasching vorbei. Leider, sagen viele. Gott sei Dank, meinen andere. Nach Aschermittwoch kommt dann die Fastenzeit. Sieben Wochen lang verzichten.

Hängen beide Zeiten nicht enger zusammen als gedacht? Bevor Menschen verzichten, möchten sie genießen. Vor sieben Wochen der Zurückhaltung soll es noch einmal großzügig zugehen. Kann ich gut verstehen. Aber Genuss wird erst vor dem Hintergrund des Verzichtes wirklich spürbar und bekommt seinen Sinn.

Das Fasten für 40 Tage erinnert daran, dass Jesus vor der Zeit seines öffentlichen Wirkens selbst erst einmal 40 Tage in die Wüste gegangen ist, um sich auf den neuen Zeitabschnitt vorzubereiten. Um geistliche Kraft zu schöpfen für das, was vor ihm lag.

Früher gehörte das Fasten zum Leben selbstverständlich dazu. Heute kann sich jeder selbst überlegen, ob er die sieben Wochen vor Ostern zu einer besonderen Zeit macht oder nicht. Denn genau das ist das Ziel dieser Zeit. Weniger die Frage, ob ich mal auf Süßigkeiten, Feierabendbier oder das Schnitzel verzichten kann. Sondern, ob ich mir Zeiten gönne, in denen ich aus dem Normalprogramm aussteige und zu mir selbst finde. Mich vorbereite auf neue Zeitabschnitte mit ihren Herausforderungen. Das Fasten drückt dann nur äußerlich aus, dass sich im Inneren ein besonderer Prozess abspielt.

Fasten ist wenig modern. Schade eigentlich. Könnte es sein, dass mancher Mensch nur deshalb in seinem Leben so wenig Außergewöhnliches erlebt, weil so wenig Zeit da ist, das Außergewöhnliche zuzulassen?

Fasten Sie mal!

 

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Jens Ubben

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Gemeindebrief
Pastor/-innen
Jens
Ubben
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Mo. 13.01.14
Ein Hammer!
Dr. Matthias Wilke
Ein Hammer!

Einen Gegenstand zum „Nagel in die Wand Hämmern“ nennen wir einen Hammer. Ferner gebrauchen wir das Wort umgangssprachlich um anzuzeigen, dass wir etwas erstaunlich finden, atemberaubend, unglaublich: „Das ist ja ein Hammer!“

Wenn ich nun von einem hämmernden Hammer sage: „er wird nicht zerbrechen“, so meine ich einen sanften Hammer. Vielleicht einen Hammer mit Gummi, der sein Werk verrichtet, ohne dass splittert oder bricht, was er bearbeitet. Oder ich meine einen Hammer, der viel abkann, der nicht kaputtgeht, auch wenn er aus hoher Höhe auf den Boden fällt. „Er wird nicht zerbrechen“, kann also beides heißen: nicht kaputtgehen und nicht etwas anderes kaputtmachen.

Bauen wir beides zusammen, so erhalten wir den Satz: „Ein Hammer (! Er) wird nicht zerbrechen“. Wenn Sie nun die jeweils doppelte Bedeutung in diesen Satz hineinlesen, so macht er viel Sinn. Er bezeichnet dann entweder ein Ding zum Hämmern, das selbst nicht kaputtgeht, oder ein Ding zum Hämmern, das nicht kaputtmacht. Oder aber er spricht das Erstaunen darüber aus, dass jemand anderer, eben ein „Er“, nicht kaputtgeht oder nichts kaputtmacht, also: „Ein Hammer! Er wird nicht zerbrechen.“ Setzen wir nun in diesen letzten Satz statt „Er“ den ein, der uns Gott nahe bringt, so erhalten wir die Frohe Botschaft für diesen Sonntag. „Ein Hammer!“ – Trost für (m)ein angeknicktes Gewissen und glimmenden Glauben: „Siehe, …das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen…. Er selbst wird nicht verlöschen und nicht zerbrechen“. So beschreibt der Prophet Jesaja im Alten Testament Gottes Nähe. Mehr dazu am Sonntag in ihrem Gottesdienst. Herzlich willkommen!

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Dr. Matthias Wilke

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Mo. 30.12.13
Ich sehe was, was...
Ich sehe was, was...

Sie kennen es sicherlich auch, dieses alte Kinderspiel: "Ich sehe was, was du nicht siehst..." In unterschiedlicher Zusammensetzung kann man es fast jederzeit und überall spielen. "Ich sehe was, was du nicht siehst. Und das ist grün!" "Das Moos neben dem Baumstamm? Das Auto dort unten? Die Jacke der Frau da vorne?"

"Ich sehe was, was du nicht siehst." Was sehen Sie, wenn Sie auf das neue Jahr 2014 blicken? Ein freudiges Ereignis? Einen bereits jetzt schon gut gefüllten Terminkalender? Einen Stellenwechsel? Ein Jubiläum?

Vielleicht sorgen Sie sich auch um das, was Sie sehen könnten: Wird mein Freund die erneute Krebserkrankung überleben? Behalte ich meinen Arbeitsplatz? Wird meine Kraft reichen für die vielleicht noch unsichtbaren Herausforderungen, die das neue Jahr mit sich bringt?

So klar und deutlich wie bei dem Kinderspiel können wir das, was uns in 2014 erwartet, vermutlich nicht sehen. Aber schon jetzt - kurz vor Beginn des neuen Jahres - gilt für alles, was wir erleben und erfahren werden: Gott will uns dabei begleiten. Unabhängig davon, ob das, was wir (nicht) sehen, blau oder gelb ist, dürfen wir uns darauf verlassen, dass Gott uns in allem und trotz allem nahe ist.

Ob Maria auch schon 'Ich sehe was, was du nicht siehst ' gespielt hat, weiß ich nicht, aber was wir an ihr erkennen können, hat Johannes Kuhn so beschrieben:

"Wie Maria – sich nicht verschließen, nicht nach Erklärung fragen, Vertrauen haben.

Wie Maria – ein weites Herz haben, Gott einlassen und sich nicht fürchten vor dem,

was kommt."

Diese Zuversicht wünsche ich Ihnen und mir für 2014!

Mo. 02.12.13
Ein Kind verändert das Leben
Ein Kind verändert das Leben

Ein Kind kommt – und verändert das Leben.

Es verändert den Tagesablauf und den Nachtschlaf der Eltern. Seine Bedürfnisse bestimmen den Alltag.

Es verändert die Blickrichtung der Eltern. Es zeigt ihnen, was wichtig ist im Leben: Liebe, Fürsorge, Nähe.

Die Eltern haben ein Wunder erlebt, das Wunder der Geburt.

Es zeigt, dass das Leben ein Geschenk ist – und nicht selbstverständlich.

Manches Paar hat gespürt, dass hier Gott selbst am Werk ist.

Ein Kind, ein neues Leben kommt in unser Leben – und wir entdecken erstaunt, wie viel Liebe in uns steckt, die wir weitergeben können.

Advent – ein Kind kommt und verändert das Leben.

Es verändert das Leben von Maria und Josef, seinen Eltern. Haben sie damals etwas anderes gefühlt als die Eltern heute?

Wahrscheinlich nicht.

Dieses Kind kommt und verändert das Leben von uns Menschen. Denn als der erwartete Messias und Erlöser kommt es anders als erwartet. Als Kind einfacher Leute in einem Stall geboren und nicht als Prinz in einem Schloss.

Und damit zeigt sich schon, was der erwachsene Jesus predigen und leben wird.

Er wird die Welt auf den Kopf stellen und das Leben verändern.

Den Erwachsenen stellt er die Kinder als Vorbilder im Glauben hin.

Den ganz Gesetzessturen sagt er, dass der Mensch wichtiger ist als die Vorschriften.

Die Rachsüchtigen ermahnt er: Vergebt und geht auf den Nächsten zu.

Den Richtenden sagt er: Wer ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein.

Advent – ein Kind kommt und verändert die Welt – damals wie heute.

Mo. 04.11.13
Is´ ja nicht fertig...
Dr. Matthias Wilke
Is´ ja nicht fertig...

 

Was haben Sie Donnerstag gemacht? Nein, schauen Sie nicht so verblüfft, ich möchte Sie nicht verwirren. Ich würde nur gerne – und das ist total unaufdringlich, denn Sie könnten ja jetzt aufhören zu lesen: und ich wäre weg – Sie auf Donnerstag ansprechen.

Doch vielleicht stelle ich mich erst mal vor: Matthias Wilke, der neue Nachbar in Kirchwalsede. Da lebe ich glücklich seit dem 1. Oktober… Doch ich schweife ab. Entschuldigen Sie! Was sagten Sie, haben Sie am vergangenen Donnerstag getan? Ja, vorgestern, vorvorgestern?...

An dieser Stelle müsste nun eigentlich Ihre Antwort stehen. Kann Sie aber nicht, da ich Sie ja nicht höre. Insofern: eine blöde Idee, Sie auf diesem Wege anzusprechen. Aber, wie sonst? Deshalb so. Und damit wir jetzt nicht in lesendes Schweigen verfallen, ohne doch noch etwas von unserem Fastschoneingespräch zu haben, erzähle ich Ihnen, was ich vergangenen Donnerstag gemacht habe. Wie, das interessiert Sie nicht? Das ist ja dumm. Denn Donnerstag habe ich darüber nachgedacht, wie ich meinen Arbeitsplatz so gestalten könnte, dass wir uns mal darüber unterhalten könnten, wie Sie eigentlich zu einer Reformation der Kirche stehen… Ach, kommen Sie, die Kirche ist Ihnen doch nicht egal, oder? Sind Sie nicht getauft? Haben Sie nicht kirchlich geheiratet? Interessiert es Sie nicht, was mit Ihnen nach Ihrem Tod geschieht? Wenn doch, dann lassen Sie uns an einer Kirche bauen, die uns alle anspricht und die wir ernst nehmen. Ist ja nicht fertig, die Reformation unserer Kirchen – ebenso wenig wie unser Gespräch – oder sagten Sie schon, was Sie letzten Donnerstag gedanklich beschäftigt hat?

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Dr. Matthias Wilke

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Mo. 07.10.13
Erntedank
Erntedank

Morgen ist in den meisten Kirchen Erntedankfest. Sie werden schön geschmückt sein. Große gelbe Kürbisse, Maiskolben, Körbe mit Kartoffeln, Gurken, Tomaten. Wir haben alles im Überfluss, und dafür danken wir Gott.

Tatsächlich gilt das für etwa zwei Milliarden Menschen auf der Welt nicht. Sie haben entweder zu wenig zu essen (als Grenze gelten hier laut Welthungerhilfe 1.800 Kilokalorien pro Tag), oder sie können keine ausgewogene Nahrung zu sich nehmen und leiden daher an Mangelerscheinungen.

In Deutschland schaffen wir es ja, dass Milchprodukte aus dem Süden in den Norden gekarrt werden und umgekehrt. Man rechnet uns vor, dass die Transportkosten so günstig sind, dass das eigentlich nichts ausmacht.

Bisweilen werfen wir die Lebensmittel, die wir durchs Land gekarrt haben, dann auch weg – weil wir schlecht geplant haben. Meine Oma hat dazu gesagt: Da waren die Augen mal wieder größer als der Mund.

Und komischer Weise sind wir offenbar nicht in der Lage, Lebensmittel in der ganzen Welt so zu verteilen, dass sich alle Menschen auf der Welt ausgewogen ernähren könnten. Genug Lebensmittel für alle werden auf der Welt zwar produziert – aber das Land, auf dem produziert wird, gehört oft Menschen, die nicht das geringste Interesse an der Welternährung haben. Sie produzieren in Afrika Blumen für die arabischen Emirate und bei uns Mais zur Energiegewinnung. Beides mit der Folge, dass die Lebensmittelpreise steigen und Menschen, die arm sind, sich ihre 1.800 Kilokalorien wenn überhaupt, dann nur noch sehr einseitig kaufen können.

Danken wir also morgen für jede Idee, die daran etwas ändert.

So. 16.06.13
Sich trauen zu bitten
Matthias Richter
Sich trauen zu bitten

Ein Junge bemühte sich vergeblich, einen riesigen Stein hochzuheben. Der Schweiß rann ihm von der Stirn. Sein Vater schaute zu und sagte schließlich: „Du setzt ja nicht deine ganze Kraft ein!“ „Natürlich“, rief der Junge, „das siehst du doch!“. Der Vater widersprach: „Das stimmt nicht. Du hast mich noch nicht um Hilfe gebeten!“

Ich bin sicher, der Junge hat was gelernt. Denn wenn es wichtig und richtig ist, dass der Stein gehoben werden muss, dann ist es genauso richtig und wichtig, um Hilfe zu bitten und Unterstützer zu suchen.

Zu meiner Tätigkeit für Kirche und Diakonie gehört es, dass ich selbst viele Menschen bitte und Unterstützer suche für soziale Aktionen. Außerdem ermutige ich viele Gremien und Kirchenvorstände, dass sie es ihrerseits wagen zu bitten und sich Unterstützer für die Projekte suchen, die sie angehen wollen. Oft suchen wir Menschen, die uns Geld spenden. Häufig geht es auch um gespendete Zeit und praktische Hilfe, manchmal auch um konkrete Gegenstände. Gemeinsam lässt sich viel bewegen: Da können Schwerstbehinderte Ausflüge machen, auch wenn die Krankenkasse das nicht vorsieht. Da können Jugendliche von der Straße geholt und begleitet werden, auch wenn das Gemeindebudget das nicht hergibt. Da können Sterbende und ihre Angehörige so betreut werden, wie ich es auch einmal für mich erhoffe. Für all solche Projekte bitte ich andere um Hilfe, um Zeit und Geld.

„Ist Ihnen das nicht peinlich,“ werde ich manchmal gefragt, „die Leute so zu nerven?“ Nein, das ist es mir nicht. Denn wenn der Stein gehoben werden muss, dann darf man sich nicht zu schade sein, sich Unterstützer zu suchen. Und außerdem ist eine höfliche und transparente Bitte niemals peinlich oder nervend, sondern schlicht menschlich. Viele Aufgaben in der Kirche, in der Arbeit mit behinderten oder kranken Menschen sind eben nur mit Unterstützern zu lösen. Mit Menschen, die über sich selbst hinausdenken. Allen anderen Behauptungen zum Trotz: Viele Menschen helfen gerne, Gott sei Dank.

Wahrscheinlich ist es ein guter Weg, das Glück zu finden: Sich trauen zu bitten. Und auf solche Bitten zu antworten. Und am Ende ist der Stein gehoben.

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Matthias Richter

Matthias
Richter
Theologischer Direktor des Agaplesion Diakonieklinikums
Elise-Averdiek-Straße 17
27356
Rotenburg
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