Andachten

Kurz innehalten. Sich für einen Moment besinnen, woher wir eigentlich kommen, was wichtig ist im Leben. Dabei helfen uns kurze Andachten. Die Pastorinnen und Pastoren des Kirchenkreises Rotenburg verfassen jede Woche zwei Zeitungsandachten für die Rotenburger Rundschau und die Rotenburger Kreiszeitung. Wir veröffentlichen sie hier und schaffen damit ein Archiv, auf das Sie zurückgreifen können, wann immer Sie möchten. Denn: Ihre Zeitung werfen Sie irgendwann in den Papierkorb. Die Andachten behalten jedoch ihre Gültigkeit jenseits der Tagesaktualität.

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Mo. 22.07.19
Geht es auch ohne eine Kirche?
Hartmut Nack
Geht es auch ohne eine Kirche?

Wie wäre das wohl? Eine Welt ohne Gott. Wo nicht mehr über ihn gesprochen wird. Oder genauer gesagt: Wo nicht mehr so über ihn gesprochen wird, wie es Jesus getan hat. Was würde sich ändern, würde man davon überhaupt etwas mitbekommen?

Es mag manche Menschen geben, die das nicht weiter stören würde, die vielleicht sogar ganz zufrieden damit wären. Endlich echte Freiheit! Keiner mehr, der uns sagen will, was wir tun und lassen sollen. Keiner mehr, der vorgibt, was Gut und Böse ist; das können wir schließlich selbst am besten.

Aber es gibt auch eine große Anzahl von Menschen, die darüber unglücklich wären. Irgendwie ist das doch schade. Da geht dann doch etwas verloren, was wir nicht ersetzen können. Auch wenn es manchmal schwer ist, an so einen Gott zu glauben… so ganz ohne soll es auch nicht sein.

Dass es mal so weit kommt, davon sind wir noch weit entfernt. Aber die Richtung ist eingeschlagen. Zumindest wenn es darum geht, dass dieser Glaube auch was mit der Kirche zu tun hat. „Für meinen Glauben brauche ich doch nicht unbedingt eine Kirche,“ so hört man es heutzutage ziemlich oft. Die christliche Kirche hat nicht immer den besten Ruf. Oft gilt sie als verstaubt und altmodisch. Den einen ist sie zu streng, den anderen ist sie zu locker und angepasst.

Ich selbst bin auch nicht immer einfach nur wunschlos glücklich über das, was in der Kirche passiert. Und auch ich erhoffe mir oft, dass vieles anderes wäre. Dass wir mutiger zu dem stehen, was uns wichtig ist, dass wir fröhlicher glauben und wahrhaftiger lieben. Die Realität sieht oft anders aus.

Aber bei diesen Gedanken ist mir mal ein Wort aus dem Neuen Testament über den Weg gelaufen: „Wir haben eine Wolke aus Zeugen um uns.“ (Hebräer 12,1) Das ist es, denke ich, wofür die Kirche da ist. So eine Wolke um andere Menschen herum zu bilden, um das zu erzählen und zu bezeugen, was wir und andere Menschen von Gott erfahren haben. Das ist der Job der Kirche. Sie macht ihn mal schlechter und mal besser. Aber sie macht ihn. Und das seit 2000 Jahren. Hoffentlich auch noch länger und hoffentlich wirklich im Namen Gottes.

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Sa. 01.06.19
AN(GE)DACHT
Dr. Matthias Wilke
AN(GE)DACHT

"Gut gebrüllt, Löwe!" "Gut geschienen, Mond!"

An einem Sommermorgen: Vor sich hin schlurfend kam er aus der Arztpraxis, ganz in Gedanken vertieft. Man sah ihn aus der Haustür kommend rechts auf den Bürgersteig einbiegen und dann am Kindergarten vorbei in die Richtung des Bushaltestellenhäuschens gehen. Er sah nicht nach rechts. Er sah nicht nach links. Gebückt schlurfte er vor sich hin, als ihm das kleine Mädchen mit dem Fahrrad in die Hacken fuhr. „Aua!“ schrie er auf, drehte sich - und sah in ein ängstlich lächelndes Gesicht. Ganz aufrecht stand er auf einmal da und hörte eine leise Stimme: „Tschuldigung! Sie haben den Zettel hier verloren.“ Und das Mädchen reichte ihm den Einkaufszettel, der ihm aus der Tasche geglitten war. „Gut gebrüllt, Löwe“, sagte er später zu sich selbst. Denn durch den Schreck und den Ärger hatte
er seine Kraft wiedergefunden, war herausgerissen worden aus seiner Gedankenversunkenheit, ging mit wachem Blick über die Straße und in den Supermarkt.

An einem Sommerabend: Eigentlich viel zu müde für alles kam sie nach Hause. Es war schon spät. Was sie nicht alles an Gedanken angesammelt hatte: bei der Arbeit, im Telefonat mit ihrer Freundin, ihrem Mann, da irgendwo auf Geschäftsreise, weshalb der Urlaub ja auch ausgefallen war. Sie schlich in den Garten, eigentlich viel zu müde, um noch draußen zu bleiben. Aber: Sommerabend. Nur für einen Moment setzte sie sich auf den Gartenstuhl, mehr aus Versehen als geplant. Da erkannte sie ihn: da am Himmel war ja der Mond. Den hatte sie auf ihrem Heimweg bisher total ignoriert, so sehr waren ihre Gedanken mit sich selbst beschäftigt gewesen. Doch jetzt schaute sie hin: Er war hell, der fast volle Mond, und ein wenig hatte er einen rötlichen Schimmer. „Bisschen kitschig“, dachte sie – und doch: hell und ruhig. Blick für Blick entdeckte sie mehr: eine Fledermaus, Flugzeugstreifen am Himmel und als sie sich runterbeugte, um ihren arbeitsschweren Füßen Schuhfreiheit zu geben, da wurde ihr klar, dass das, was dem Gras sein Mondglitzern gab, die leichte Feuchtigkeit war, die der Abend  brachte. Fast 20 Minuten saß sie so da – und hätte sie wer gesehen, er hätte sie lächeln sehen. „Gut geschienen, Mond“, dachte sie voll Freude und erinnerte sich an ein altes Buch, in dem das stand. Denn durch sein Licht, hatte sie ihre Neugier wiedergefunden. Für einen Moment war die Alltagsmüdigkeit wie weg und sie
wieder neugierig auf das Leben – und ging mit Schwung zu Bett.

In einer Sommernacht: „Wir werden, fürchte ich, in den Morgen schlafen, soweit wir in die Nacht gewacht“. Leise wiederholte er für sich die Worte, die er gerade gelesen hatte, und dachte kurz nach, bevor er weiterlas. Noch ca. fünf Absätze las er, dann schloss er das Buch und löschte die Leseleuchte. Fertig, fein!
Shakespeares „Ein Sommernachtstraum“ – mit all seinen schönen Worten. Es war schon nach 24.00 Uhr, doch er fühlte sich einfach wohl. Das Buch rief so viele Erinnerungen, Gedanken und Bilder in ihm wach – wie ein kleiner Urlaub. Er ging ins Haus. Als er ins Schlafzimmer trat, stupste er sacht seine Frau an, die schon seit einer Weile schlief, und sagte leise zu ihr: „Schlaf morgen ruhig mal aus. Ich mache mit den Kindern eine Morgenwanderung und dann, so um 10.00 Uhr, frühstücken wir alle zusammen im Garten.“ Und im Mondlicht, das ins Schlafzimmer fiel, sah er, dass sie lächelte – und dachte zufrieden: „Gut geflüstert, Löwe“.
„Freundliche Reden sind Honigseim“, lese ich in der Losung für den Monat Juni, im Buch der Sprüche Salomos, im 16. Kapitel, denn sie sind „süß für die Seele und heilsam für die Glieder“.

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Sa. 02.03.19
20 Minuten unter Bäumen – mit dem Evangelium…
Dr. Matthias Wilke
20 Minuten unter Bäumen – mit dem Evangelium und Theodor Fontane durch die Passionszeit

20 Minuten unter Bäumen – mit
dem Evangelium und Theodor
Fontane durch die Passionszeit

Vier Bäume möchte ich mit Ihnen „Von Turm zu Turm“ und rund um Kirchwalsede entdecken. Wir starten an einem Samstag (23. März) unter einem Apfelbaum in Westerwalsede, Dorfstraße 4. Dann treffen wir uns jeweils an den Freitagen (29. März, 5. April und 12. April), um 18.00 Uhr für 20 Minuten. In der Zeitung und den Schaukästen unserer Kirchen und Gemeindehäuser wird noch bekannt gegeben werden, in welchem Ort wir jeweils sind. Kommen Sie gerne, wenn es Ihnen passt, zu einem oder allen Treffen dazu. Bei den ersten beiden spielt der Posaunenchor Kirchwalsede, danach gehen wir aus dem eigenen Gesang weiter in das schweigende Hören auf die Natur. 2019 ist das 200. Geburtsjahr Theodor Fontanes. Der Apfelbaum, eine Wiese, die Linde und einen Birnbaum hat Fontane bedichtet. Seine Worte und die Bäume werden uns zur Brücke, die Passionsgeschichte Jesu wieder neu zu bedenken.Auf dass wir nicht in den Frühling stolpern, sondern bewusst auf Karfreitag und Ostern zugehen. Seien Sie herzlich willkommen!
Ihr Pastor Matthias Wilke

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So. 20.01.19
Kein Witz!
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Kein Witz!

Vorbei der ganze Zauber, denkt sich Claudia und packt etwas schweren Herzens alle Weihnachtssachen wieder ein. Zuletzt die Krippe – und das Jesuskind soll in Watte in eine Streichholzschachtel. War schön, dieses Jahr Weihnachten. Da kommt ihre kleine Tochter ins Zimmer, fragt ernst, warum Jesus denn wieder gehen muss, und erzählt, ohne die Antwort abzuwarten, einen Ostfriesenwitz, der ihr gerade wichtig ist.

Altbekannt und doch muss auch die Mama schmunzeln: Ein Ammerländer verlegt in Ostfriesland neue Überlandleitungen. Hoch oben arbeitet er an einem Mast, hoch über einer Weide. Kommt ein Ostfriese vorbei, lacht und geht weiter. Kommt ein zweiter, lacht ebenfalls und geht weiter. Dem nächsten aber, der grinsend an ihm vorbeigehen möchte, ruft der Ammerländer von oben herab zu: „Was gibt es denn da zu lachen?“ „Dumme Frage“, antwortet der Ostfriese. „Unter deinem Zaun laufen doch alle Kühe durch!“

Es gäbe wohl für alle viel weniger zu lachen, wenn wir immer verstehen würden, was der andere tut. Missverständnisse können einfach Freude machen. Wenn beide lachen. Lacht über längere Zeit nur einer, lacht oft bald keiner. Klug deshalb, wer fragt und sich befragen lässt.

Claudia packt weiter ihre Weihnachtssachen ein, aber nach dem Gespräch mit ihrer Tochter nun anders. Das Jesuskind bleibt da. Beide stellen es mit der kleinen Krippe hoch oben auf den Schrank. Da steht es nun an der Ecke, mehr zu ahnen als zu sehen. Aber sie beide wissen es und können sich beim „Unterdurchlaufen“ auch im Hochsommer immer mal wieder lächelnd daran erinnern: „Von Jesu Christus haben wir alle empfangen Gnade um Gnade“ (Johannes 1,16). Kein Witz – und immer wieder schön.

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So. 23.12.18
Morgen, Kinder, wird´s was geben!
Dr. Matthias Wilke
Morgen, Kinder, wird´s was geben!

„Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet euch!

Eure Güte laßt kundsein allen Menschen! Der Herr ist nahe!“ (Philipper 4 ,4-5). Und wie ist Ihnen gerade zumute, denken Sie an morgen (übermorgen)? Möchten Sie vor Freude springen? Oder ist Ihnen eher nach Grübeln über eine Zeitstreckungsmaschine, die den Tag auf 32 Stunden verlängert, damit Sie doch noch in Ruhe backen, putzen, Karten schreiben, einpacken könnten?

Wie auch immer: „Morgen, Kinder, wird’s was geben…“ Das steht außer Frage, nur was? Oh ha, morgen früh noch zum Bäcker und die Gans abholen und den Weihnachtsbaum schmücken und… was ich nicht alles vergessen könnte, wenn es blöd käme – und was würde das dann geben?

„Welch ein Jubel, welch ein Leben wird in unserm Hause sein…“ Ja, eine Menge Leben, wenn der Lennart über die Carla stolpert, weil er doch auf jeden Fall schneller bei den Geschenken sein möchte als seine krabbelnde Schwester. Eine Menge Leben, wenn Onkel und Tante zum vierundzwanzigsten Mal von ihrem Urlaub auf den Malediven anfangen zu erzählen, obwohl Oma lieber „Schneeflöckchen“ singen möchte. Oder eben auch gar kein Leben, weil ich am Heiligabend alleine in der Stube sitze.

„Freuet euch in dem Herrn allewege!“ Ein Jubel wird auf jeden Fall um uns sein. Denn ganz gleich, was alles es sonst noch bei uns geben wird (oder auch nicht), mit Blick auf die Krippe und leisem Gesang werden Gottes Engel mit und für uns beten – wenn „Am Weihachtsbaume die Lichter brennen“: „Gesegnet seid, ihr alten Leute, gesegnet sei, du kleine Schar! Wir bringen Gottes Segen heute dem braunen wie dem weißen Haar.“

 

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Mi. 05.12.18
Mache dich auf und werde licht
Haike Gleede
Mache dich auf und werde licht

Mache dich auf und werde licht.

In den kommenden Wochen wird der Umsatz in den Kaufhäusern und Einkaufszentren rapide ansteigen. Verkäuferinnen werden Geschenke hübsch verpacken, die Post wird mehr Briefe, Päckchen und Karten zustellen als in den anderen Monaten. Kinder schreiben Wunschzettel und Eltern und Großeltern leiten sie an den Weihnachtsmann weiter. Lichterketten werden installiert, Adventskränze dekoriert und Kerzen angezündet. Die Welt erstrahlt in neuem Glanz.

Mache dich auf und werde licht; (Jesaja 60, 1)

In den kommenden Wochen werden Menschen ohne Obdach nach einem warmen Plätzchen suchen und etwas zu essen erbetteln. Kinder werden um ihr Leben kämpfen und Regierende ihre Macht verteidigen. Soldaten werden ihren Dienst tun, manche weit weg von Zuhause; Hilfsorganisationen werden  Medikamente und andere Hilfsgüter  in Krisengebiete schaffen und dort verteilen.

Mache dich auf und werde licht; denn dein Licht kommt,

In den kommenden Wochen werden die Menschen auf die Weihnachts- und Lichtermärkte strömen und Dekoratives, Köstliches und Überflüssiges erwerben. Unzählige Bleche Kekse werden gebacken und verzehrt. Bei Kerzenschein und Glühwein werden sich Menschen unterhalten über die guten alten Zeiten, die Politik, das Wetter und über Gott und die Welt.

Manche werden noch einsamer sein als sonst.

Mache dich auf und werde licht; denn dein Licht kommt, und die Herrlichkeit des Herrn geht auf über dir!

Im Advent entzünden wir jeden Sonntag eine weitere Kerze an unserem Adventskranz.

So kennen wir es von Kindheit an.

 Ist es einfach ein schönes Ritual, das Licht und Gemütlichkeit in die graue Jahreszeit bringt? Oder steckt mehr dahinter?

In der Adventszeit warten wir auf die Ankunft Jesu. Wir warten auf das Licht, das unser Leben erhellt. Mit jedem Adventssonntag wird dieses Licht heller, bis es an Weihnachten im festlichen Glanz erstrahlt.

In der Adventszeit zünden wir die ersten Kerzen an. Aber anstatt im Lichtschein zur Ruhe zu kommen, setzen wir uns unter neuen Leistungsdruck. Was müssen wir bis zum Fest noch alles erledigen? Wir hetzen umher und fragen uns, wie wir das alles bewältigen sollen. Gleichzeitig versuchen wir uns auf Weihnachten einzustimmen.

Wie kann das gelingen?

Vielleicht indem wir uns auf den Engel des Lichts einlassen. Er macht uns aufmerksam auf den Sinn dieser Zeit. Sich mit dem Herzen auf Gott vorzubereiten, sich zu öffnen für das Wunder von Weihnachten.

Die Sehnsucht nach Ruhe und Frieden, Einkehr und Erleuchtung schlummert in den Seelen.

Die frühen Mönche sprechen davon, dass die Seele selbst zu einem Licht wird. Wenn sie beteten und meditierten, dann konnten sie in ihrem Herzen ein Lichts sehen und spürten, dass ein Engel ihnen nahe war.

Der Engel des Lichts möchte auch dich erleuchten, damit du für andere zum Licht werden kannst. Du kannst aber nur zum Licht werden, wenn du das Licht deines Engels hineinstrahlen lässt in deine innere Dunkelheit. Du musst das Licht deines Engels in alle dunklen Abgründe deiner Seele leuchten lassen. Dann wirst du selbst zu einem Licht.

Advent – das heißt auch den Blick erheben und Ausschau halten, den eigenen Lebenshorizont erkennen und die Menschen um mich herum wahrnehmen.

Vielleicht erkenne ich dann, dass ein lieber Brief mehr wert ist als ein teures Geschenk. Oder sich Zeit zu nehmen für ein Gespräch notwendiger ist als ein gründlicher Hausputz.

„Mache dich auf und werde Licht, denn dein Licht kommt.“

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Haike Gleede

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Sa. 06.10.18
Wos is?
Dr. Matthias Wilke
Wos is?

„Alois Hingerl, Dienstmann Nr. 172 am Münchner Hauptbahnhof, erledigte einen Auftrag mit solcher Hast, daß er vom Schlag getroffen zu Boden sank und starb. Zwei Engerln schleppten ihn mit vieler Mühe in den Himmel, wo er vom Heiligen Petrus empfangen wurde.“ So beginnt die Geschichte von Ludwig Thoma „Ein Münchner im Himmel“. „Petrus ... überreichte ihm eine Harfe und machte ihn mit der himmlischen Hausordnung bekannt: "Von morgens 8 Uhr bis mittags 12 Uhr: frohlocken; von mittags 12 Uhr bis abends 8 Uhr: Hosianna singen."“ Alois aber verstand nicht recht und fragt nur: „Wos is?“

Morgen zwischen 8 Uhr und 12 Uhr werden wir frohlocken – in unseren Kirchen, mit Orgel und Posaunen – Alois aber wird fragen: „Wos is?“

Alois Hingerl erledigte seine Arbeit sein Leben lang mit solcher Hast, dass er … und dann findet er sich im Himmel wieder und soll nun dauern nur dankbar sein. Zu viel verlangt – von Alois. War er doch tagein tagaus mit ganz viel anderem beschäftigt, fühlte sich eher als Nummer denn als Engel. Er rannte von da nach dort, war stets zu Diensten und schulterte, was es zu tun galt. In der wenigen freien Zeit aber, die er hatte, da wollte er dann einfach nur mal sitzen, beim Maß oder Stamperl und ohne Bewegung. Da war er zum bewusst dankbaren „Luhja singen“ einfach zu müde.

Morgen zwischen 8 Uhr und 12 Uhr sitzen hunderte von Menschen in unseren Kirchen und hören und singen. Bestimmt sitzen viele von uns darunter, die eigentlich nur müde sind. Viel gelaufen, viel gekümmert und jetzt – „Wos is?“

Feiertag ist! Ernte-Dank! „Ich danke dem HERRN von ganzem Herzen“ (Psalm 111). Denn er gibt mir Kraft. Ich esse, trinke, liebe, lebe – und bin bei Dir. Danke!

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Dr. Matthias Wilke

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So. 26.08.18
Paradies mit Baustelle
Alexa Wilke
Paradies mit Baustelle

Die Ferien sind vorbei, die Tage werden kürzer und die Autoschlangen am Morgen länger. Im Auto neben mir hängt ein Traumfänger am Spiegel. Unwillkürlich muss ich grinsen. Ich kenne diesen indianischen Schmuck aus Schlaf- und Kinderzimmern. Er soll schlechte Träume auffangen und gute bescheren. Ich schaue die Fahrerin von der Seite an. Sie sieht nicht so aus, als würde sie gleich einschlafen. Zum Glück. Nicht dass sie irgendwann mit besonders schönen Träumen schlafend weiterfährt.

Ich bin abgebogen und komme nun zügiger voran. Im Auto träumen. Wie viele von denen, die gerade auf dem Weg zur Arbeit sind oder zur Schule, träumen sich wohl in diesem Moment zurück in den Urlaub und in die schönen Sommertage ohne Verpflichtung? Das Leben kann so leicht sein. Ich höre mich seufzen.

Im Verlauf des Tages treffe ich meinen Kollegen, der den ersten Tag wieder im Dienst ist. Ich freu mich richtig, ihn zu sehen: „Schön, dass Du wieder da bist!“ Es steht einiges an, was gemeinsam geplant werden soll. Und jetzt geht es endlich los.

Auf der Heimfahrt denke ich an den Traumfänger im Nachbarauto. Und an die Urlaubsträume am Morgen. Immer so viel Freiheit haben wie in den Ferien, das wär‘s. Oder? Ich zögere: Wär blöd gewesen, wenn der Kollege einfach weggeblieben wäre.

Mein Kollege wird gebraucht hier, und auch ich habe meine Aufgaben. Sei es im Beruf, unter Nachbarn, in der Familie. Ja, mein Ferien-Ich fehlt mir. Aber mein Alltags-Ich hat seine ganz eigene Würde. „Bebauen und bewahren“ nennt die Bibel die täglichen Mühen (1. Mose 2,15). Etwas schützen, etwas wachsen lassen, Verantwortung tragen. Das gehört eben auch zu mir. Und für das Ferien-Ich reserviere ich den Sonntag.

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So. 08.07.18
Leg doch mal das Handy weg...
Harm Cordes
Leg doch mal das Handy weg...

Neulich in der Heide. Abendstimmung. Sonnenuntergang. Mir kommen zwei Reiter entgegen. Kann das Leben schöner sein? Denke ich, bis ich bei einem der Reiter eine typische Körperhaltung wahrnehme, die nicht zu meinem Bild vom Reiter auf dem Pferd passt: Kopf nach vorne geneigt. Richtung Handinnenfläche, die einen flachen Gegenstand hält.

Näher dran erkenne ich, dass wahr ist, was ich nicht glauben konnte: Der gute Mann ist mit Jeep und Pferdeanhänger aus dem Nachbarkreis in die Heide gefahren, um auf dem Pferd – mit seinem Handy rumzudaddeln. Geht`s noch?

Szenen, wie ich sie immer wieder beobachte: Eltern mit den Kindern auf dem Spielplatz. Die Kinder toben, lachen, rufen sogar: „Mama, guck mal …“. Doch die Eltern sind mit ihren Gedanken irgendwo in virtuellen Welten, anstatt wahrzunehmen, wie toll der Spielplatz ist: „Papa, jetzt guck doch endlich …!“

Bestes Bild zu diesem Thema: Ein kleiner Junge im Fernsehen. Er hat das große Glück, mit Papa bei einem Achtelfinal-Spiel der Fußball-Weltmeisterschaft dabei zu sein. Doch was macht der Junge: spielt mit seinem Handy! Papa steht daneben und sagt nichts. Und ich frage mich: Wer hat das arme Kind ins Stadion geschleppt? Und wenn der Junge freiwillig da ist: Warum nimmt ihm keiner das Handy weg. Erklärt ihm, was auf dem Spielfeld los ist?

Ich weiß: das alles klingt weltfremd. Technikfeindlich. Typisch Pastor.

Aber so ist es nicht gemeint. Ich weiß durchaus, was ein Handy ist. Freue mich an vielen Errungenschaften unseres Zeitalters. Komme manchmal aus dem Staunen nicht raus. Und werde trotzdem traurig, wenn ich merke, wie Menschen in virtuellen Welten versacken und das Leben um sich aus dem Blick verlieren.

„Alles hat seine Zeit“ heißt es im Prediger Salomo. Und meint vielleicht auch dieses: Manchmal darf das Handy auch Pause haben. Um den Sonnenuntergang live zu bestaunen und dabei den Schritt des Pferdes zu spüren. Um mit dem Kind zu toben, zu lachen und zu raufen, anstatt Bilder davon zu verschicken. Einfach mitzujubeln und zu leiden, anstatt allen und jedem zu schreiben: „Bin gerade im Stadion. Echt cool hier …“

Jetzt, in der Urlaubszeit, wär das doch mal ein Gedanke. Immer mal wieder das Handy zu Hause zu lassen. Und einfach loszugehen. Ganz da zu sein, wo ich doch extra hingefahren bin. Mit denen, die gerade dabei sind, zu erleben, weshalb wir unterwegs sind. Darum geht es doch eigentlich. Oder etwa nicht?

 

DIESE ANDACHT STAND VORÜBERGEHEND UNTER FALSCHEM NAMEN AUF DIESER HOMEPAGE. WIR BITTEN DIESEN FEHLER ZU ENTSCHULDIGEN.

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Harm Cordes

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29640
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So. 20.05.18
Da weht ein frischer Wind
Rolf Hirte
Da weht ein frischer Wind

Menschen gehen auf die Straßen, und sagen, was sie glauben, hoffen, sich wünschen. Sie verstecken sich nicht mehr ruhig in ihren Häusern, fragen sich nicht ängstlich, was werden denn wohl die Nachbarn sagen, wie reagieren die anderen darauf? Hat mein Engagement etwa Nachteile für mich?

Manche setzen sich vielleicht einfach mal eine Kippa (Kopfbedeckung jüdischer Männer) auf, um zu zeigen: “Wir wollen, dass Juden hier bei uns sicher leben können, ohne angefeindet zu werden.“ Vielleicht demonstrieren sie auch für bessere Arbeitsbedingungen in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen, oder machen sich stark für eine gerechtere Wirtschaftsordnung, von der mehr Menschen profitieren als im Moment. Manchmal lassen Menschen sich begeistern. Dann sagen sie: “Da können wir etwas ändern.“ Dann gehen sie raus auf die Straßen und erzählen den anderen von ihren Hoffnungen und Träumen.

So ähnlich stelle ich mir das auch vor zu Pfingsten in Jerusalem vor etwa 2000 Jahren: Die nach der Kreuzigung Jesu verängstigten Jünger Jesu kommen aus ihren Verstecken und sprechen öffentlich über das, was sie glauben: Gottes Liebe ist stärker als alle Mächte des Chaos und der Zerstörung, ja sogar als der Tod. Das hat damals viele begeistert. Die ließen sich taufen und teilten alles, was sie hatten, damit keiner Not leiden mußte. Da wehte ein frischer Wind. Da bewegte Gottes Geist viele Menschen. Pfingsten hatte und hat es immer noch mit Begeisterung für Gottes neue Welt, mit Mut und Aufbruch zu tun.

Gesegnete Pfingsten

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Rolf Hirte

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Hirte
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Rotenburg (Wümme)
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(04261) 77-36 63
So. 01.04.18
Normal ist das nicht
Dr. Matthias Wilke
Normal ist das nicht

„Ich hoffe bloß, dass bald Ostern ist!“ Meine Freundin ist genervt. „Gestern“, sagt sie, „Konferenz. Ich stell wie immer Schoki auf den Tisch. Da haut mich einer an, ob ich denn nicht wüsste, dass Fastenzeit ist. Ich so: ‚Zwing ich dich etwa, davon zu essen?‘“ Sie schnaubt: „Und dann haben sich alle gegenseitig erzählt, wie toll sie gerade fasten. Nicht zum Aushalten!“ Sie greift zu den Gummibärchen: „Es ist ja nicht nur die Fastenzeit. Es fängt im Januar an: Gute Vorsätze. Und in der Kantine mümmeln alle nur noch Salat. Im Februar jammern sie, dass sie nicht durchgehalten haben und warum sie schon seit zwei Wochen nicht mehr beim Sport waren. Und dann denkst du, du hast es hinter dir – und die Fastenzeit beginnt. Können die nicht einfach normal sein?“

Zuhause checke ich meine Mails. Wieder eine Nachricht mit Hinweisen für die Fastenzeit. Und ich komme ins Träumen. So wäre ich gerne. Ich will mich mutig für andere einsetzen, Strom sparen und auf Fleisch verzichten, will mehr an die Armen denken, die Frustschokolade drangeben oder am besten ganz auf Zucker pfeifen. Nicht normal sein, sondern gut. Wenigstens für sieben Wochen.

Neben dem Computer liegt ein Kreuz. Die Menschen um Jesus hatten ganz normal Sehnsucht nach einem, der ihnen hilft. Waren schrecklich normal mit ihrer feigen Sorge ums eigene Leben. Und ausgerechnet diese Menschen haben das erste Ostern erlebt. Dazu passt der Spruch für die nächste Woche (Römer 5,8): „Gott erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren.“ Und ich steh da mit meinem Frust und meiner Sehnsucht nach gutem Leben. „Danke, Gott, dass du es in all dem Murks Ostern werden lässt!“

 

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Di. 13.02.18
An(ge)dacht - Kirche mit mir
Karin Klement
An(ge)dacht - Kirche mit mir

Erfrischend kurze Wörter. Einzeln stehend. GROSSGESCHRIEBEN. Aufmerksamkeit fördernd. Inspirierend: VERTRAUEN, TEAMWORK, BEWEGEN …

Kirche zeigt sich von ihrer modernen Seite. Sie will viele – möglichst alle – Menschen ansprechen. Hier bei uns und anderswo. Sie lädt ein zum MITmachen, MITdenken, MITentscheiden …! KIRCHE geht nur mit MIR und DIR.

So erfrischend klingt das Motto der Kirchenvorstandswahlen am 11. März 2018. Unsere Kirche lebt davon, dass Menschen sich in ihr engagieren. Sie übernehmen Verantwortung. Sie leiten Gruppen, gestalten ehrenamtlich Gottesdienste in TEAMWORK oder beglücken die Kleinen in der Kinderkirche. Sie backen den Kuchen für das Gemeindefest und besuchen Geburtstagskinder der älteren Generation. Sie BEWEGEN die Gemeinschaft. Ihre Tätigkeitsfelder sind so bunt und vielfältig und offen wie wir Menschen und das Leben selbst. Damit jede*r, wer mag, einen eigenen Platz in ihr finden kann. KIRCHE sind nicht die anderen, die Pastoren, die Heiligen – Kirche sind WIR. Es gibt so vieles, das uns unterscheidet. Und überraschend vieles, das uns vereint. Unser Glaube ist das Wichtigste darin. Wovon lassen wir uns leiten? Was motiviert uns füreinander einzustehen? Wer trägt uns durch schlimme Stunden? „Einer ist’s, an dem wir hangen“, singt ein Gesangbuchlied. Nicht wir haben diesen CHRISTUS erwählt, vielmehr hat er uns begeistert, in der Seele berührt, unseren Verstand aufgeweckt. Sein Lebensweg ist unser Programm, sein Wort unser Motto: Liebe Gott und deinen Nächsten – wie dich selbst!

Er führt uns zusammen als Gemeinde in Gemeinschaft. Deshalb haben wir die Wahl: Uns selbst einzubringen MIT all den wunderbaren Talenten, die in uns angelegt sind. Oder jene zu unterstützen, die verantwortungsbewusst etwas BEWEGEN wollen. KIRCHEMITMIR. Ich bin gefragt. Du bist angesprochen. Er, sie, es – WIR alle sind gemeint. MIT uns gerät die Kirche in Schwung. Geraten die Wörter ins Trudeln, bilden neue Sätze, reden zu Menschen fernab unserer Gedanken. Damit kann sich
etwas Gutes BEWEGEN, VERTRAUEN wachsen.

Gottes Wort breitet Seinen SEGEN aus. Wie ein Windhauch zu Pfingsten. Wie ein Osterfeuer nach dem dunklen Karfreitag. SEGEN schenkt Kraft. Auch für das Unbekannte in der Zukunft. Gott MITDIR – Kirche MITDIR! Wunderbar, wenn DU mitmachst! Erfrischt, ermutigt – wie damals, als Mose sein zögerliches Volk an der Schwelle zum Gelobten Land segnet: „Sei getrost und unverzagt, denn Gott selbst wird MITDIR sein!“

Karin Klement, Pastorin

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Karin Klement

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Di. 30.01.18
Ich will dem Durstigen geben von der Quelle…
Haike Gleede
Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst

Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.“

 

Ein moderner Mensch verirrte sich in der Wüste. Die unbarmherzige Sonnenglut hatte ihn ausgedörrt. Da sah er in einiger Entfernung eine Oase. Aha, eine Fata Morgana, dachte er, eine Luftspiegelung, die mich narrt. Denn in Wirklichkeit ist gar nichts da.
Er näherte sich der Oase, aber sie verschwand nicht. Er sah immer deutlicher die Dattelpalmen, das Gras und die Quellen. Natürlich eine Hungerphantasie, die mir mein halbwahnsinniges Gehirn vorgaukelt, dachte er. Solche Phantasien hat man bekanntlich in meinem Zustand. Jetzt höre ich sogar die Wasser sprudeln. Eine Gehör-Halluzination. Wie grausam die Natur ist.
Kurze Zeit später fanden ihn zwei Beduinen tot. ,,Kannst du so etwas verstehen", sagte der eine zum andern, ,,die Datteln wachsen ihm beinahe in den Mund und dicht neben der Quelle liegt er verhungert und verdurstet. Wie ist das möglich?" 
Da antwortete der andere: ,,Er war ein moderner Mensch."

 

Liebe Gemeinde!

„Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen

Wassers umsonst.“

Wissen Sie, was es heißt, wirklich durstig zu sein? Kaum jemand in unserem Land weiß wirklich, was Durst bedeutet.  Uns steht immer ausreichend Wasser zur Verfügung, so viel, dass wir Trinkwasser für die Toilettenspülung benutzen und unsere Autos damit waschen. Das sieht in anderen Regionen der Erde anders aus. Das gibt es Dürrezeiten und Wasser ist knapp. In manchen Ländern soll Trinkwasser privatisiert werden. Das bedeutet, dass es nicht mehr allen zugänglich ist und gerade die armen sind wieder einmal die Leidtragenden. Dabei hat im Jahr 2010 die Generalversammlung der Vereinten Nationen den Zugang zu sauberem Wasser als Menschenrecht anerkannt. Denn Wasser ist lebensnotwendig. So viele stehen Schlange mit ihren Krügen und Kanistern an den Brunnen. Es reicht oft nicht für alle. Jedes Jahr verdursten  über drei Millionen Menschen.

Für uns ist Wasser selbstverständlich – 123 Liter verbraucht jeder Deutsche im Schnitt jeden Tag. Am meisten im Badezimmer für Duschen, Waschen und Toilettenspülung, für den Garten, Wäsche waschen immerhin auch noch mehr als 10 Liter und am wenigsten für Essen und Trinken.

„Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen

Wassers umsonst.“

Was ist mit dem Wasser, das Gott verspricht?

Am Brunnen spielen sich in der Bibel immer wieder wichtige Geschichten ab.

Der erste Brunnen, der in der Bibel erwähnt wird, trägt den Namen Beer-Lachai-Roi – Brunnen des Lebendigen, der sich schauen lässt, oder der mich gesehen hat. Dieser Brunnen, der in der Heiligen Schrift dreimal erwähnt wird, spielte im Leben der Familie Abrahams eine große Rolle.

Damals gab in Palästina drei verschiedene Arten von Brunnen. Wo Menschen sich ansiedelten, wurde nach Wasser gegraben, um das Überleben für Mensch und Tier sicherzustellen. Auf diese Weise entstanden Grundwasser-Brunnen. Besonders geschätzt und wertvoll waren dabei solche Brunnen, die von einer Quelle gespeist wurden und deshalb sehr frisches Wasser lieferten. Darauf beruht die Bezeichnung „Brunnen lebendigen Wassers“. Oder es wurde Regenwasser in Zisternen gesammelt.

Auch am Brunnen Jakobs in der Nähe von Sichem in Samarien wurde seit alten Zeiten das Trinkwasser geholt. Hier begegnet Jesus der Samariterin, die Wasser holen will, als Jesus sie anspricht und um Wasser bittet. Die Frau ist zu Recht empört. Ein Mann spricht eine Frau nicht einfach so an, schon gar nicht wenn er ein Jude ist und sie eine Samariterin. Diese beiden religiösen Strömungen pflegten keinen Umgang miteinander.

Und dann verwickelt dieser Fremde sie in ein Gespräch und verspricht ihr lebendiges Wasser. Wer es empfängt, wird nicht mehr dürsten. Es wird „in ihm eine Quelle des Wassers werden, das in das ewige Leben quillt“ (Joh 4,14).

Die Frau wird hellhörig. „Gib mir solches Wasser!“ bittet sie.

Doch Jesus bringt zuerst ihre Lebenssituation zur Sprache, erinnert sie an die vielen Männer, die sie hatte. War es aus Not oder Lebenshunger, war es der Lebensdurst , der sie zu diesem Lebensstil getrieben hat? Jesus macht ihr keine Vorwürfe. Er wirbt vielmehr um ihr Vertrauen und bietet ihr etwas an, wonach sie sich schon lange gesehnt hat.

Am Brunnen hat sich ihr ein neuer Lebenssinn eröffnet. So klar, dass sie am Ende bekennen kann: „Dieser ist wahrlich der Welt Heiland“ (Joh 4,42).

Dieser Begriff des „lebendigen Wassers“ begegnet uns in der Jahreslosung aus der Offenbarung des Johannes wieder.

Gott spricht: “ Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.“ Off 21, 6

Dieses Versprechen steht ganz am Ende der Bibel im Buch der Offenbarung im letzten Kapitel. Johannes wurde auf die Insel Patmos verbannt. Hier offenbart Gott ihm, was am Ende der Zeit geschehen wird. Johannes hat eine Vision. Er sieht das himmlische Jerusalem, das sich aus dem Himmel herabsenkt „Siehe, ich mache alles neu.“ Ruft eine Stimme. Das Alte ist vergangen, es wird kein Leid mehr geben, kein Geschrei, keinen Schmerz, keinen Tod. Die alten Systeme und Strukturen, in denen wir gefangen sind, werden aufgebrochen, ja aufgehoben und etwas völlig anders wird das Leben bestimmen.

H und Segen, Frieden und Gerechtigkeit und alles, wonach sich die Menschen sehnten wird Wirklichkeit.

Der seelisch durstige Mensch, der Mensch, der sich nach erfülltem Leben sehnt, soll das Wasser bekommen, das seinen Durst löscht. Es geht um mehr als den Durst nach Wasser.

Es geht um den Durst nach Leben in all seinen Facetten.

Die Angebote, diesen Durst zu stillen, scheinen unbegrenzt zu sein. Und wir lassen uns das auch etwas kosten. Die einen investieren alles in Karriere und Anerkennung, in Gesundheit, in die Erfüllung eines Lebenstraumes oder setzen alles in Partnerschaft und Familie. Andere suchen ihr Glück in immer wieder neuen Beziehungen oder rennen von Event zu Event. Manche versuchen es mit einem alternativen Lebensstil bis hin zur Askese. Aber alle diese Quellen stillen nur für kurze Zeit den Durst nach Leben und Glück. Oft gibt es danach ein böses Erwachen.

Wenn unsere Gesundheit wackelt, Beziehungen scheitern, Sicherheiten wegbrechen. Manchmal regt sich erst dann die Frage: Aus welchen Quellen lebe ich?

Gott spricht: “ Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.“ Off 21, 6

Gott will unseren Durst nach Leben stillen aus einer Quelle, die nie versiegt.

Aus welchen Quellen haben Sie  getrunken im vergangenen Jahr und welche blieben Ihnen verschlossen?

Wir sind moderne Menschen, die oft hin- und hergerissen sind. Viele versprechen unseren Lebensdurst zu löschen.

Geht es uns am Ende wie dem modernen Menschen in der Wüste, der wenige Schritte vor der rettenden Oase verdurstet, weil er nicht glauben konnte, was er sah?

Wie viele hören die Botschaft, kommen und hören und trinken am Ende dann doch nicht davon. Ihre Zweifel bremsen sie aus kurz vor dem Ziel.

 Ihnen bleibt die Quelle verschlossen, weil andere sagen: Das kann nichts ein. Gott gibt es nicht. Kirche ist nicht zeitgemäß. Glauben ist nicht cool. Schau, hier zeigen wir dir das wahre Leben. Und im Kleingedruckten finden sich die Geschäftsbedingungen und der Preis, der für das vermeintliche Glück zu zahlen ist.

Wer aus diesen Quellen schöpft, wird wieder durstig werden, womöglich sogar noch durstiger als vorher und die Gier nach Leben, nach Erfüllung, nach bedingungsloser Liebe und Glück wird immer größer.

Gott spricht: „Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.“

Ich wünsche uns, dass wir Gottes Angebot annehmen. Es wagen aus seinen Quellen zu trinken und Erfüllung und Frieden finden für unsere Seele.

Segen:
Möge das Wasser, das du trinkst, dich daran erinnern, 


dass auch deine Seele dürstet.

Gott sei deine Quelle und erquicke deine Seele mit Freude und Liebe


bis zum Überlaufen. 

So sei gesegnet im Herrn.  Amen.

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Mo. 27.11.17
Jessicas Weihnachten
Dr. Matthias Wilke
Jessicas Weihnachten

Jessicas Weihnachten
oder
„Durch die herzliche Barmherzigkeit unseres Gottes wird uns besuchen das aufgehende Licht aus der Höhe, damit es erscheine denen, die sitzen in Finsternis und  Schatten des Todes, und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens.“ (Lukas 1, 78f.).

Es war kurz vor den Weihnachtsferien in einem Studentenwohnheim in Hamburg. Alle waren schon beim Packen. Fön und Dreckwäsche wurden zusammengesucht und dann, ach ja, noch schnell zum nächsten Kaufhaus, um auch für Papa die zu Weihnachten gewünschte Schokolade nicht zu vergessen. Alle schienen trotz des Gewimmels eigentlich ganz guter Stimmung – alle, bis auf Jessica. Sie hatte die letzte Prüfung versemmelt und musste nun morgen, am wirklich allerletzten Tag vor den Ferien, noch einmal zur Nachprüfung. Blöd gelaufen. Zudem hatte sie immensen Bammel. – Stunden später: Wie erleichtert sah Jessica wenige Stunden später aus. Zwar hatte sie immer noch am kommenden Tag die Prüfung vor sich. Aber in all dem Gepacke hatte ihr Zimmernachbar doch gemerkt, dass mit Jessica etwas nicht so rund lief, wie es sollte, und hatte einfach mal so gefragt: „Soll ich dich morgen begleiten? Ich fahr dann einen Zug später!“. Mehr Worte brauchte es nicht, um Jessicas Stimmung sichtbar aufzuhellen.

Am Tag vor Heiligabend ist dann auch Jessica zuhause bei ihren Eltern und der großen Schwester. Ihre Schwester hat schon eine kleine Tochter, Frieda. Sie ist drei Jahre alt und schon richtig groß und mutig – wenn nicht gerade das Licht ausgeht. So aber ist es nun mal jeden Abend beim Einschlafen vorgesehen – und das ist auch am Abend vor Heiligabend nicht anders. Jessica ist bei ihrer kleinen Nichte geblieben und bringt sie zu Bett. Die große Schwester sollte und wollte auch mal „frei“ haben und ihr macht es Spaß. Waschen, Zähneputzen, Schlafanzug an, alles hat prima geklappt. Das Licht hat sie bei der Kleinen auch ausgeschaltet und
noch ist es nebenan vielversprechend ruhig. Jessica sitzt nun im Nebenraum und drückte im Dunkeln still auf ihrem Tablet herum – mit ihren Gedanken mit einem Drittel bei ihrem Hamburger Zimmernachbarn, mit dem anderen bei ihrer Nichte und mit dem dritten Drittel bei dem Text vor ihren Augen. Sie hat sich ein Buch eines alten Leib- und Seelenarztes, Siegmund Freud, heruntergeladen. Und während Frieda nebenan (hoffentlich) am Einschlafen ist, liest Jessica folgenden Bericht: „Ein Kind, das sich in der Dunkelheit ängstigte, hörte ich ins Nebenzimmer rufen: ‘Tante, sprich doch zu mir, ich fürchte mich.’ ‘Aber was hast du davon? Du siehst mich ja nicht’; darauf das Kind: ‘Wenn jemand spricht, wird es heller’.“ Jessica spitzte gedankenverloren ihre Ohren: wenn jemand spricht, wird es heller?

Und dann endlich der Heiligabend. Ganze Familie mit allen Großen und Kleinen auf zum Krippenspiel. Die Orgel spielt, irgendwo schreien Kinder und alle singen: „Stille Nacht!“ Jessica wandert mit ihren Gedanken hin und her. Neben ihr rutscht ihre Nichte von einer Pobacke auf die andere, hinter ihr diskutiert eine Familie leise, wer sich nachher um Opa Otto kümmert, wenn der wieder mit seinen politischen Themen anfängt. Doch da, auf einmal – ein Strahler leuchtet auf, und ein kleiner Engel  steht da und sagt, vom Licht geblendet: „Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allen widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren!“ „Wenn jemand spricht, wird es heller!“, denkt Jessica und hat auf einmal eine Ahnung, dass damit nicht der Scheinwerfer gemeint ist.

Pastor Matthias Wilke
(aus Gemeindebrief BKV 04/2017)

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Sa. 04.11.17
Ex abundantia – oder häh?
Dr. Matthias Wilke
Ex abundantia – oder häh?

„Das nennt Fred das Überflussparadox“. „Häh, versteh ich nicht“. „Na, ganz einfach. Nimm Bremen Brinkum. Dass es da eine Autobahn gibt, ist eigentlich spitze. Denn wie lange brauchten die andern früher, wenn sie von Rotenburg nach Bremen zur Arbeit wollten. Und heute: geht das eigentlich richtig klasse.“ „Eigentlich, ja…“. „Genau. Das Problem heute nämlich…“ „Die Baustelle!“ „Ja, die auch, aber das eigentliche Problem in unserer Gesellschaft ist…“ „Dass die Leute sich nicht einfach mal rechts einordnen können. Diese blödsinnige Regelung, ständig in der Mitte zu fahren…“ „Ja, ja, aber was ich meine, ist das Paradox unserer Überflussgesellschaft, zu dem Fred Hirsch schrieb…“ „Ne, ne, ich sage dir. Letztens zum Beispiel. Mittlere Spur. Der vor mir: Strich 60! Ich dachte ich krieg die Motten. Rechts war alles frei, der hätte einfach nur: Blinker setzen und rechts rüber. Aber nein! Und ich: Rechts vorbei soll man ja nicht, links aber war auch alles voll und dann hängst du in der Mitte und kommst nicht vorbei – boah ne…“. Und was ist nun mit unserem Überfluss und Überdruss? Wir werden es wohl „googeln“ müssen. Denn dadurch, dass dem einen das Herz so voll war vom täglichen Stau, dass es ständig aus seinem Mund sprudelte, konnte der andere sich gar nicht Gehör verschaffen für das, was er in seinem Kämmerlein von Fred Hirsch gelesen hatte. Und dabei: gehört hätte ich es schon gerne, warum Überfluss nicht einfach nur schön ist. So aber bleibt es bei der Losung für den heutigen Samstag: „Wovon das Herz voll ist, davon fließt der Mund über“ (Lukas 6, 45). Und ich werde nachdenklich und überlege: Wovon würde ich reden, wenn ich wüsste, dass mir einer wirklich zuhört?

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So. 13.08.17
Bauanleitung gesucht
Alexa Wilke
Bauanleitung gesucht

Eine Strandmuschel, zum Beispiel, ist ja auch nicht immer so hilfreich, wie man es sich wünschen würde. Beim Stangenmodell bringt man sich und das Augenlicht der Mitreisenden schon beim Aufstellen in Gefahr. Wohingegen das sich selbst aufbauende Modell „pop-up“ sich beim abendlichen Rückzug vom Strand gern geheimnisvoll gibt und nur mit einigem Widerstand wieder „down“ gefloppt werden kann.

Der Grund liegt auf der Hand. Strand und Sand sind für Traumschlösser und Kleckerburgen. Bei Ankunft von Flut, Wind oder dem nächsten spielenden Kind fallen sie in sich zusammen. So entsteht immer wieder Platz für Neues: Staudämme oder Seerobben aus Sand etwa. Das ist die besondere Freiheit am Meer. Nichts bleibt hier draußen lange wie es ist.

Und doch: Die viele Freiheit und der aufgewirbelte Sand werden manchem auf Dauer zu mühsam. Hier und da erwacht die Sehnsucht nach Behausung. Wohin dann? Doch die Strandmuschel? Der Freigeist wütet: „Du wirst doch nicht ernsthaft versuchen, sogar Meer und Strand zur windstillen Komfortzone zu machen! Der Sand zwischen deinen Zähnen – das ist der Preis der Weite!“ Und der Architekt sagt: „Bau nicht auf Sand!“ (Matthäus 7,24-27).

„Aber wohin denn dann am Abend?“, frage ich zerknirscht. Bauen, ohne Wind und Weite zu verraten. Heimisch werden, ohne die Freiheit zu verlieren. Das wär’s. „Bau auf das, was ich Dir sage“, mischt sich der ins Gespräch, den keiner am Strand erwartet hätte. Er selbst, Jesus von Nazareth, war ständig unterwegs und hatte keinen sicheren Platz. Nicht mal in der Nacht. Er lebte die Freiheit und herrscht über Wind und Wellen. Sein Vater im Himmel hält ihn und er hält auch mich am Strand des Lebens, mit und ohne Strandmuschel.

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Mo. 03.07.17
Schön gehört?
Harm Cordes
Schön gehört?

Haben Sie schon gehört? Von dem Kollegen, der sich von seiner Frau trennen will? Er soll eine neue Partnerin haben. Ist vielleicht auch besser so. Er war eh immer unterwegs. Und seine Frau, naja …

Haben Sie noch nicht gehört? Dann vielleicht die Sache mit dem Geschäft in der Hauptstraße, das bald zumacht. Da war ja sowieso nie was los. Kein Wunder, bei der Auswahl. Und überhaupt – diese Mitarbeiter …

Wussten Sie auch nicht? Doch von der Familie, drei Straßen weiter, die in dem komischen Haus, von denen haben Sie gehört, oder? Ein Kind soll vor Gericht stehen; irgendwas mit Diebstahl; naja, er wäre ja, wie man hört, nicht das erste Mal …

Haben Sie alles noch nicht gehört: von dem Kollegen, dem maroden Geschäft, den schwierigen Kindern? Dann sind Sie zu beneiden. Man kommt ja kaum durch den Tag, ohne massenweise Gerüchte und Halbwahrheiten aufzuschnappen – und leider (!) weiterzutragen. Was wäre die Frühstückspause ohne morgendlichen Tratsch, das Bier nach dem Sport ohne Schwank aus der Straße, die Kartenrunde ohne das Neuste aus der Stadt?

Ich weiß, wovon ich rede. Auch ich kann meine Gedanken, meine Zunge nicht immer im Zaum halten. Im Nachhinein ärgere ich mich. Ich weiß, wie verletzend Gerede ist. Ich ahne, wieviel Vertrauen durch Gerede zerstört wird. Wie leer muss mein Leben sein, wenn die Sorgen anderer Leute mich aufmuntern?

Manchmal fällt mir in solchen Momenten Luthers Erklärung zum achten Gebot ein. Er schlägt vor, den Mitmenschen nicht zu verleumden oder ins schlechte Licht zu rücken. Stattdessen könnte ich, so Luther, „ihn entschuldigen, Gutes von ihm reden und alles zum besten kehren …“

Das meint natürlich nicht, dass ich Schlechtes schön reden, Falsches mit dem Mantel des Schweigens umhüllen soll. Aber doch, dass ich sorgsam mit Worten über meinen Mitmenschen umgehen sollte. Nicht jedes Gerücht weitertragen. Einfach mal aufstehen, wenn es zu hässlich wird. Mich aus der WhatsApp-Gruppe abmelden, die mehr und mehr zur Läster-Gruppe verkommt.

Oder den anderen in Schutz nehmen. Für ihn einstehen. Ihn entschuldigen. Ihm den Rücken stärken. Ihm wird das guttun. Und unserer Gemeinschaft allemal. Haben Sie das schon gehört?

 

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Fr. 31.03.17
Kirche und Werbung?
Haike Gleede
Kirche und Werbung?

Täglich werden wir mit Werbung überflutet. Werbung lockt mit tollen Angeboten und verspricht: Wenn du dieses Produkt kaufst, steigerst du damit deine Lebensqualität, dann bist du ein glücklicher Mensch.

Dabei haben wir es doch längst durchschaut. Nur Weniges ist wahr, nicht alles tut uns wirklich gut und nützlich ist es meistens auch nicht. Dennoch: Je lauter und je bunter etwas beworben wird, um so tiefer prägt es sich ein.

All die vielen Angebote überfordern mich und sie kosten mich viel Kraft und Lebensenergie. Ich schalte sie weg, werfe sie achtlos ins Altpapier und höre gar nicht hin. Und doch erreichen sie mich. Woher kommt es, dass die Medien uns so in ihren Bann ziehen, während das Wort Gottes uns nur gelegentlich erreicht? Macht die Kirche zu wenig Werbung? Aber passt das überhaupt – Kirche und Werbung? Jesus hat uns den Auftrag erteilt: Geht in die Welt und erzählt den Menschen, was ihr von mir gehört habt! Verkündet ihnen den Weg zum ewigen Leben! Macht die Menschen zu meinen Jüngern! Ladet sie ein in meine Gemeinde!

Auch Paulus hat sich nicht geschämt, für das Evangelium zu werben.

Für ihn war es die einzig seligmachende Kraft. Dafür hat er sich eingesetzt, weil ihm daran lag, dass immer mehr Menschen davon erfahren und aus dieser Kraft leben.

In vielen Gemeinden werden an diesem und den nächsten Sonntagen Konfirmationen gefeiert. Jugendliche sagen „Ja“, ich gehöre zu Christus, seine Botschaft ist für mein Leben wichtig.

Und bald schon werden Menschen in den Gemeinden gesucht, die sich als Kirchenvorsteher für die Kirche vor Ort einsetzen, sie verantwortlich gestalten und dafür sorgen, dass die wertvolle Botschaft der Bibel im Bewusstsein bleibt.

Bis heute verkünden wir Jesu Botschaft, weil wir glauben, dass sie unserem Leben eine neue Qualität gibt.

Für mich gibt es sonntags um halb zehn nichts Schöneres, als in die Kirche zu gehen und eine Botschaft zu verkünden, die hält, was sie verspricht.

 

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So. 19.02.17
Hilft auch bei Verstockung
Dr. Matthias Wilke
Hilft auch bei Verstockung

Ein junger Mann aus Tuttlingen, sagt der Dichter, kam einmal ins reiche Amsterdam. Er blieb vor einem prächtigen Gebäude stehen. Was für eine Villa! „Wem gehört das Haus?“, fragte er einen Vorübergehenden. Doch der, Niederländer der er war, sagte nur: „Kannnitverstan“. Aha, dachte der junge Mann und ging weiter. An einer Gracht sah er ein großes Schiff mit vielen reichen, fröhlich feiernden Menschen. „Wau“, sagte er, „wem das wohl gehört?“ Wieder erhielt er die Auskunft: „Kannnitverstan“. „Dem gehört wohl alles“, grummelte er. Und als er auch noch hörte, dass der Jackpot der Lotterie geknackt worden war und wieder, klar, von einem „Kannitverstan“, da hielt es ihn nicht mehr, sondern er murmelte so platte Gedanken wie: „Ja, wenn einer hat, dann wird ihm auch noch alles andere … einfach so nachgeschmissen.“ So ging er weiter und sah vom Rand aus grummelnd dem Leben zu. Sein Herz wurde hart. Verbittert kam er an eine Straßensperre. Ein Leichenzug zog des Wegs. „Wer wird denn begraben?“, fragte er und bekam die Antwort: „Kannnitverstan“. „Och“, sagte der junge Mann und war sofort etwas ergriffen, „so was. Nun liegt er da, hat nichts von seinem Gewinn, der Herr Kannitverstan…“.

Ich denke nach über diese Geschichte, der einmal eine wahre Begebenheit zugrunde lag. Wer hätte das gedacht? All der Groll hätte bei dem jungen Mann auch zu Dauerverstockung führen können. Doch Gott rüttelt an ihm durch das, was er hört und erlebt – und löst die Verstockung. Möge er auch mein Herzensgegrummel lösen. Auf dass sich erfüllt, was die Losung für die kommende Woche fordert: »Heute, wenn ihr seine Stimme hören werdet, so verstockt eure Herzen nicht“ (Hebräer 3, 15).

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Mi. 08.02.17
Kannste glauben!
Dr. Matthias Wilke
Kannste glauben!

Was? Trat ich doch letztens mitten in ein Gespräch zweier Freunde von mir hinein und hörte gerade noch, wie die eine zu dem anderen sagt: „Kannste glauben!“ Um nun nicht unwissend dabeizustehen, fragte ich also: „Was soll ich glauben?“

Nein! Als ich die Sache gehört hatte, die sie ihm erzählte, hatte ich dann auch eine Meinung und sagte selbstbewusst: „Nein!“. Denn das, was sie ihm erzählte, konnte ich absolut nicht glauben. Und das können Sie mir nun wirklich glauben.

Worum ging es? Behauptete meine Freundin doch allen Ernstes, das Beste am Sandmännchen seien schon immer die Geschichten von Pittiplatsch und Schnatterinchen gewesen – „Kannste glauben!“. Nein, konnte ich eben nicht. Denn das Beste am Sandmännchen waren für mich immer Piggeldy und Frederick. Wenn dann das kleine Schwein das große fragte, ob es ihm erklären könne, was denn z.B. Faulheit sei, und das große mit warmer Stimme antwortete: „Nichts leichter als das. Komm mit!“. Das war doch das Schönste am Sandmännchen, schon immer.

Ja, genau! Ich habe Sandmännchen auf ARD geschaut. Meine Freundin auf DFF. Pittiplatsch kenne ich erst seit wenigen Jahren, während Piggeldy und Frederick mir seit meiner Kindheit liebe Begleiter sind. Meiner Freundin geht es genau anders herum. Aufgewachsen in Leipzig denkt sie bis heute, wenn ihr die Augen müde werden, an Pittiplatsch, Moppi und Schnatterinchen. Und nun? „Nichts leichter als das. Komm mit!“ – in eine noch einmal ganz andere Geschichte.

Ein Mann kommt mit seinem Kind, welches nicht reden kann, zu Jesus. Der Vater ist etwas unsicher, ob er mit seinem Anliegen bei Jesus eigentlich richtig ist. Er bittet ihn, er möge doch seinem Kind die Möglichkeit geben, sprechen zu können. Jesus solle sein Kind heilen von seinem „sprachlosen Geist“, wie es im Markus-Evangelium im 9. Kapitel heißt. Daraufhin sagt Jesus: „Alle Dinge sind möglich dem, der da glaubt“. Der Vater aber erwidert: „Ich glaube schon. Doch hilf meinem Unglauben!“

Kannste glauben? Mit welchen Geschichten wir aufwachsen, das prägt sich uns ein. Wenn ich nie mit Pittiplatsch und Schnatterinchen zu Bett gegangen bin, wie soll ich dann wissen, ob sie mir gut tun, mir Ruhe geben? Und wie viele Anregungen auf Fragen haben sich mir nicht dadurch eingeprägt, dass ich mit Piggeldy den Frederick einfach mal ganz leise gefragt habe: „Was ist eigentlich Liebe?“ Und dann rieb das große Schweinchen sein Ohr an das des kleinen Schweinchens und beide hatten den Einstieg geschafft, um miteinander der Liebe auf die Spur zu kommen – und ich mit ihnen.

„Hilf meinem Unglauben!“. Damit wir mit Blick auf Gott nicht stumm bleiben, schauen wir gemeinsam in die Welt der Bibel hinein. Von der Kinderkirche über die Zeit der Konfirmandenseminare bis zur Eisernen-Konfirmation. Und die eine von uns sagt: „Mir gefällt die Schöpfungsgeschichte am besten. Die Natur, da findet meine Seele Ruhe…“ und der andere sagt: „Ich mag die Geschichten von Jesus, wie er die Arme ganz weit ausbreitet…“. Und beide fügen hinzu: „Kannste glauben!“. Kann ich, manchmal. Doch immer wieder muss Gott sein Ohr an meinem reiben, um mich wieder ahnen zu lassen, dass es ihm wirklich um mich geht. „Komm mit!“ ruft er – und das Kind in mir antwortet frei nach Pittiplatsch: „Ach Du meine Nase. Ja. Kannste glauben! – Hilf meinem Unglauben!“

Ihr Pastor Matthias Wilke

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