Andachten

Kurz innehalten. Sich für einen Moment besinnen, woher wir eigentlich kommen, was wichtig ist im Leben. Dabei helfen uns kurze Andachten. Die Pastorinnen und Pastoren des Kirchenkreises Rotenburg verfassen jede Woche zwei Zeitungsandachten für die Rotenburger Rundschau und die Rotenburger Kreiszeitung. Wir veröffentlichen sie hier und schaffen damit ein Archiv, auf das Sie zurückgreifen können, wann immer Sie möchten. Denn: Ihre Zeitung werfen Sie irgendwann in den Papierkorb. Die Andachten behalten jedoch ihre Gültigkeit jenseits der Tagesaktualität.

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Fr. 31.03.17
Kirche und Werbung?
Haike Gleede
Kirche und Werbung?

Täglich werden wir mit Werbung überflutet. Werbung lockt mit tollen Angeboten und verspricht: Wenn du dieses Produkt kaufst, steigerst du damit deine Lebensqualität, dann bist du ein glücklicher Mensch.

Dabei haben wir es doch längst durchschaut. Nur Weniges ist wahr, nicht alles tut uns wirklich gut und nützlich ist es meistens auch nicht. Dennoch: Je lauter und je bunter etwas beworben wird, um so tiefer prägt es sich ein.

All die vielen Angebote überfordern mich und sie kosten mich viel Kraft und Lebensenergie. Ich schalte sie weg, werfe sie achtlos ins Altpapier und höre gar nicht hin. Und doch erreichen sie mich. Woher kommt es, dass die Medien uns so in ihren Bann ziehen, während das Wort Gottes uns nur gelegentlich erreicht? Macht die Kirche zu wenig Werbung? Aber passt das überhaupt – Kirche und Werbung? Jesus hat uns den Auftrag erteilt: Geht in die Welt und erzählt den Menschen, was ihr von mir gehört habt! Verkündet ihnen den Weg zum ewigen Leben! Macht die Menschen zu meinen Jüngern! Ladet sie ein in meine Gemeinde!

Auch Paulus hat sich nicht geschämt, für das Evangelium zu werben.

Für ihn war es die einzig seligmachende Kraft. Dafür hat er sich eingesetzt, weil ihm daran lag, dass immer mehr Menschen davon erfahren und aus dieser Kraft leben.

In vielen Gemeinden werden an diesem und den nächsten Sonntagen Konfirmationen gefeiert. Jugendliche sagen „Ja“, ich gehöre zu Christus, seine Botschaft ist für mein Leben wichtig.

Und bald schon werden Menschen in den Gemeinden gesucht, die sich als Kirchenvorsteher für die Kirche vor Ort einsetzen, sie verantwortlich gestalten und dafür sorgen, dass die wertvolle Botschaft der Bibel im Bewusstsein bleibt.

Bis heute verkünden wir Jesu Botschaft, weil wir glauben, dass sie unserem Leben eine neue Qualität gibt.

Für mich gibt es sonntags um halb zehn nichts Schöneres, als in die Kirche zu gehen und eine Botschaft zu verkünden, die hält, was sie verspricht.

 

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So. 12.03.17
Einen Gang langsamer
Frank Hasselberg
Einen Gang langsamer

„Wenn meine Großmutter ihre Mutter besuchen wollte, brauchte sie dafür drei Tage: Einen Tag fuhr sie in der Pferdekutsche hin, einen Tag blieb sie dort, erzählte und erfuhr das Neueste, half in der Küche oder im Garten. Am dritten Tag fuhr sie heim.

Wenn meine Mutter ihre Mutter besuchen wollte, brauchte sie dafür zwei Tage: Sie fuhr mit dem Zug. Sie erzählte und erfuhr das Neueste, übernachtete dort und fuhr am nächsten Tag zurück.

Wenn wir zu meiner Mutter fahren, brauchen wir dafür mit dem Auto eine halbe Stunde. Lange können wir aber nicht bleiben, denn die Kinder werden unruhig, und wir wollen ja noch einkaufen, und außerdem müssen wir noch unbedingt schnell die Papiere zum Steuerberater bringen.

Wenn mich meine Kinder besuchen wollen?“

Eine Geschichte zum Schmunzeln oder zum Heulen? Niemand hat mehr richtig Zeit (obwohl doch jeder Tag 24 Stunden hat), und die Zeit, die uns bleibt, vergeht so rasend schnell.

Da tut Entschleunigung not. Wie bestellt kommt da das Angebot der Fastenaktion der evangelischen Kirche 2017: „Sieben Wochen ohne sofort“ sollen bis Ostern erlebt werden. Mal Pause machen. Durchatmen. Zu sich selbst kommen. O ja, das brauche ich dringend, und Ihnen täte das doch auch gut, oder?! Denn wir planen und tun und wissen gar nicht mehr, wie die Gegenwart aussieht. Wir essen Fast Food, machen Multitasking, haben so viel vor und merken nicht, wie das Leben an uns vorbeirauscht. „Du hast dich müde gemacht mit der Menge deiner Pläne“, schreibt schon der Prophet Jesaja (Kap. 47, 13).

„7 Wochen ohne“ bietet in dieser Passionszeit eine Kur der Entschleunigung an. Wenn etwas schiefgeht, nicht gleich lospoltern. Wenn es nicht mehr weitergeht, einmal Pause machen, eine Tasse Tee trinken, nachdenken. Zeit finden, den Dingen und sich selber eine zweite Chance zu geben. Dieses Innehalten hat uns Gott ganz am Anfang in unsere Zeitrechnung geschrieben. Denn den siebten Tag segnete der Schöpfer – und ruhte. Dazu sind auch wir eingeladen. Mal nicht funktionieren, nicht Maschine sein, sondern Mensch. Greifen auch Sie zu und feiern „Sieben Wochen ohne sofort“!

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So. 19.02.17
Hilft auch bei Verstockung
Dr. Matthias Wilke
Hilft auch bei Verstockung

Ein junger Mann aus Tuttlingen, sagt der Dichter, kam einmal ins reiche Amsterdam. Er blieb vor einem prächtigen Gebäude stehen. Was für eine Villa! „Wem gehört das Haus?“, fragte er einen Vorübergehenden. Doch der, Niederländer der er war, sagte nur: „Kannnitverstan“. Aha, dachte der junge Mann und ging weiter. An einer Gracht sah er ein großes Schiff mit vielen reichen, fröhlich feiernden Menschen. „Wau“, sagte er, „wem das wohl gehört?“ Wieder erhielt er die Auskunft: „Kannnitverstan“. „Dem gehört wohl alles“, grummelte er. Und als er auch noch hörte, dass der Jackpot der Lotterie geknackt worden war und wieder, klar, von einem „Kannitverstan“, da hielt es ihn nicht mehr, sondern er murmelte so platte Gedanken wie: „Ja, wenn einer hat, dann wird ihm auch noch alles andere … einfach so nachgeschmissen.“ So ging er weiter und sah vom Rand aus grummelnd dem Leben zu. Sein Herz wurde hart. Verbittert kam er an eine Straßensperre. Ein Leichenzug zog des Wegs. „Wer wird denn begraben?“, fragte er und bekam die Antwort: „Kannnitverstan“. „Och“, sagte der junge Mann und war sofort etwas ergriffen, „so was. Nun liegt er da, hat nichts von seinem Gewinn, der Herr Kannitverstan…“.

Ich denke nach über diese Geschichte, der einmal eine wahre Begebenheit zugrunde lag. Wer hätte das gedacht? All der Groll hätte bei dem jungen Mann auch zu Dauerverstockung führen können. Doch Gott rüttelt an ihm durch das, was er hört und erlebt – und löst die Verstockung. Möge er auch mein Herzensgegrummel lösen. Auf dass sich erfüllt, was die Losung für die kommende Woche fordert: »Heute, wenn ihr seine Stimme hören werdet, so verstockt eure Herzen nicht“ (Hebräer 3, 15).

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Mi. 08.02.17
Kannste glauben!
Dr. Matthias Wilke
Kannste glauben!

Was? Trat ich doch letztens mitten in ein Gespräch zweier Freunde von mir hinein und hörte gerade noch, wie die eine zu dem anderen sagt: „Kannste glauben!“ Um nun nicht unwissend dabeizustehen, fragte ich also: „Was soll ich glauben?“

Nein! Als ich die Sache gehört hatte, die sie ihm erzählte, hatte ich dann auch eine Meinung und sagte selbstbewusst: „Nein!“. Denn das, was sie ihm erzählte, konnte ich absolut nicht glauben. Und das können Sie mir nun wirklich glauben.

Worum ging es? Behauptete meine Freundin doch allen Ernstes, das Beste am Sandmännchen seien schon immer die Geschichten von Pittiplatsch und Schnatterinchen gewesen – „Kannste glauben!“. Nein, konnte ich eben nicht. Denn das Beste am Sandmännchen waren für mich immer Piggeldy und Frederick. Wenn dann das kleine Schwein das große fragte, ob es ihm erklären könne, was denn z.B. Faulheit sei, und das große mit warmer Stimme antwortete: „Nichts leichter als das. Komm mit!“. Das war doch das Schönste am Sandmännchen, schon immer.

Ja, genau! Ich habe Sandmännchen auf ARD geschaut. Meine Freundin auf DFF. Pittiplatsch kenne ich erst seit wenigen Jahren, während Piggeldy und Frederick mir seit meiner Kindheit liebe Begleiter sind. Meiner Freundin geht es genau anders herum. Aufgewachsen in Leipzig denkt sie bis heute, wenn ihr die Augen müde werden, an Pittiplatsch, Moppi und Schnatterinchen. Und nun? „Nichts leichter als das. Komm mit!“ – in eine noch einmal ganz andere Geschichte.

Ein Mann kommt mit seinem Kind, welches nicht reden kann, zu Jesus. Der Vater ist etwas unsicher, ob er mit seinem Anliegen bei Jesus eigentlich richtig ist. Er bittet ihn, er möge doch seinem Kind die Möglichkeit geben, sprechen zu können. Jesus solle sein Kind heilen von seinem „sprachlosen Geist“, wie es im Markus-Evangelium im 9. Kapitel heißt. Daraufhin sagt Jesus: „Alle Dinge sind möglich dem, der da glaubt“. Der Vater aber erwidert: „Ich glaube schon. Doch hilf meinem Unglauben!“

Kannste glauben? Mit welchen Geschichten wir aufwachsen, das prägt sich uns ein. Wenn ich nie mit Pittiplatsch und Schnatterinchen zu Bett gegangen bin, wie soll ich dann wissen, ob sie mir gut tun, mir Ruhe geben? Und wie viele Anregungen auf Fragen haben sich mir nicht dadurch eingeprägt, dass ich mit Piggeldy den Frederick einfach mal ganz leise gefragt habe: „Was ist eigentlich Liebe?“ Und dann rieb das große Schweinchen sein Ohr an das des kleinen Schweinchens und beide hatten den Einstieg geschafft, um miteinander der Liebe auf die Spur zu kommen – und ich mit ihnen.

„Hilf meinem Unglauben!“. Damit wir mit Blick auf Gott nicht stumm bleiben, schauen wir gemeinsam in die Welt der Bibel hinein. Von der Kinderkirche über die Zeit der Konfirmandenseminare bis zur Eisernen-Konfirmation. Und die eine von uns sagt: „Mir gefällt die Schöpfungsgeschichte am besten. Die Natur, da findet meine Seele Ruhe…“ und der andere sagt: „Ich mag die Geschichten von Jesus, wie er die Arme ganz weit ausbreitet…“. Und beide fügen hinzu: „Kannste glauben!“. Kann ich, manchmal. Doch immer wieder muss Gott sein Ohr an meinem reiben, um mich wieder ahnen zu lassen, dass es ihm wirklich um mich geht. „Komm mit!“ ruft er – und das Kind in mir antwortet frei nach Pittiplatsch: „Ach Du meine Nase. Ja. Kannste glauben! – Hilf meinem Unglauben!“

Ihr Pastor Matthias Wilke

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Di. 27.12.16
„Gott spricht: Ich schenke euch ein neues…
Dr. Hans Christian B…
„Gott spricht: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch.“ (Hesekiel 36,26)

Andacht zur Jahreslosung 2017

„Gott spricht: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch.“ (Hesekiel 36,26)

Landessuperintendent Dr. Hans Christian Brandy

Es kann erglühen und pochen, hämmern und stocken, brechen und zerspringen. Es kann verschenkt werden, unergründlich und offen sein. Und auch auf der Zunge können wir es tragen – unser Herz. Es kann aber auch trotzig und verzagt sein.

In der Bibel ist „Herz“ eines der am meisten gebrauchten Worte.  Kein Wun-der, gilt das Herz doch als Kern unserer Person, als unsere Mitte. Hier treffen wir unsere Entscheidungen, fühlen und empfinden wir.

Ein neues Herz, einen neuen Geist will Gott schenken. So sagt es der Prophet Hesekiel seinem Volk Israel zu, das zu dieser Zeit in der babylonischen Gefangenschaft sitzt.  Statt eines Herzens aus Stein, so die prophetischen Worte,  gibt Gott ein lebendiges und großes Herz. Konkret heißt dies für Hesekiel: die Schwachen schonen, fair handeln – auch gerade im wirtschaftlichen Zusammenhang – und  Unrecht meiden. Das schrieb er vor 2.500 Jahren.
„Woran du dein Herz hängst, das ist dein Gott“, sagte Martin Luther zwei Jahrtausende später. 2017 feiern wir das 500-jährige Jubiläum der Refor-mation, die 1517 mit der Veröffentlichung von Luthers  Thesen begann. Er wollte seine Kirche von ihrer Mitte - quasi von ihrem Herzen her - erneuern und reformieren.
Selbstkritische Fragen gehören daher für mich zu diesem Jubiläumsjahr: Woran hänge ich ganz persönlich mein Herz? Was dient mir zur Orientierung?
Aber auch als Gemeinde, ja als Kirche insgesamt, ist immer wieder zu fragen: Was ist bei uns zu erneuern, zu reformieren? Gerade das Reformationsjubiläum darf sich ja nicht darin erschöpfen, die Vergangenheit zu feiern, sondern die Freiheit eines Christenmenschen für unsere Zeit durchzubuchstabieren, das Herz neu auf Christus auszurichten und es für den Nächsten zu öffnen.

Es ist gut, dass wir hier als evangelische und katholische Christen Seite an Seite stehen und gemeinsam 2017 ein Christusfest feiern können. Denn uns verbindet viel mehr als uns trennt. Und nach der Bibel ist der Geist, den Gott gibt, ein Geist, der zusammenführt: Ein Geist – verschiedene Gaben.
„Kirche im Reformstress“ – so hört man bisweilen kritisch über die kirchli-chen Reformbemühungen der vergangenen Jahre. Reform ist immer wieder nötig – eine der Grundeinsichten der Reformation. Und das geschieht in unserer Kirche. Aber manche, die sich hier dankenswert engagieren, stöhnen doch sehr über die Belastungen.

Die Jahreslosung 2017 ist die große Ansage gegen allen Reformstress:  Gott selbst schenkt Erneuerung. Und zwar ganz von innen her – durch Erneuerung des Herzens und durch einen neuen Geist. Das ist das Gegenteil eines Appells zu neuen Anstrengungen. Es ist die Einladung, Gott wirken zu lassen. Dafür braucht es Zeit und Raum. Eine wunderbare Ermutigung gerade für das Jubiläumsjahr. Reform muss nicht erzwungen werden, sie will wachsen.

Einen neuen Geist schafft Gott in uns. Allein aus Gnade – eines der Leit-motive der Reformation – wendet  er sich uns Menschen zu, erhält und erneuert seine Kirche. Uns bleibt, aus diesem neuen Geist zu leben und als seine Gemeinde mit einem neuen Herzen Gottes Botschaft in Wort und Tat in die Welt zu tragen.
Frei und unerschrocken dürfen wir dies tun, denn Gottes Zusage gilt: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch.

Es grüßt Sie herzlich

Ihr Hans Christian Brandy

 

(Quelle: Kirchengemeinde Bexhövede – Jahreslosung 2017 - www.kirche-bexhövede.de/gemeinde/gemeindebrief/angedacht/2016/losung_2017)

 

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So. 13.11.16
Vier Maurer auf einem Dach
Dr. Matthias Wilke
Vier Maurer auf einem Dach

Vier Maurer saßen einst auf einem Dach. Da sprach der erste: "Ach!" Der zweite: "Wie ists möglich dann?" Der dritte: "Daß das Dach halten kann!!!" Der vierte: "Ist doch kein Träger dran!!!!!!" Und mit einem Krach/ Brach das Dach.

Kurt Schwitters beschreibt in seinem Gedicht „So, so!“ einen ungeahnten Übergang. Während vier noch staunend über das reden, was wunderbar ist, ist die Wirklichkeit schon ganz anders: „mit einem Krach/ Brach das Dach“. Es reicht nicht, dass wir uns an den kommenden Sonntagen wieder staunend von den prophetischen Worten vom „Frieden auf Erden“ tragen lassen. Sie tun gut, keine Frage. Sollen sie aber mehr sein als ein kurzes „Ach!“, dann braucht es Träger für das Dach – das Dach des Friedens, auf dem wir „sitzen“. Man schaue etwa auf die vielen Jugendlichen aus unseren Dörfern, die nach der Schule oder Lehre für einige Monate dorthin gehen, in alle Welt, wo alles fremd ist und allzu oft auch dunkel. Sie sind solche Träger. Da sprach der zweite: "Wie ists möglich dann?" Der dritte: "Daß das Dach halten kann!!!"

Frieden ist möglich – Gott helfe uns. Mit dieser Einstellung stellen wir uns mit den Jugendlichen und anderen mehr bittend neben einen Fünften, von dem das Gedicht Schwitters schweigt: den Zimmermann. Er hielt mit dem, was er sagte und tat, den Frieden Gottes in die Höhe – auch und gerade da, wo es zu spät zu sein schien. Am Volkstrauertag, am Ewigkeitssonntag – es tut gut, auf den Zimmermann aus Nazareth zu schauen „als auf ein Licht, das da scheint an einem dunklen Ort, bis der Tag anbreche und der Morgenstern aufgehe in [unseren] Herzen“ (2. Petrus 1,19). Vier Maurer saßen einst auf einem Dach.

 

 

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So. 06.11.16
Freiheit für den Glauben!
Frank Hasselberg
Freiheit für den Glauben!

Endlich ist sie da: Die neue Bibel, nahe am Text der Übersetzung Martin Luthers. Sehr gelungen, wie ich finde, und allemal lesenswerter als manch freie Übertragungen der vergangenen Jahre. Man kann sie bei uns in jeder Buchhandlung erwerben. Leider ist das nicht überall selbstverständlich: Christen sind die am meisten verfolgte Glaubensgemeinschaft weltweit. Gegenwärtig sind es etwa 100 Millionen Christen in über 50 Ländern, die wegen ihres Glaubens misshandelt werden, von Gefängnis oder Tod bedroht sind, benachteiligt und diskriminiert werden. In Nordkorea, Iran und Saudi-Arabien ist die Lage am schlimmsten, aber auch in Ländern wie Tunesien und der Türkei sind Christen bestenfalls geduldet. Das beginnt schon in der Bibel: Laut Apostelgeschichte 7 ist Stephanus der erste in einer langen Reihe von Christen, die wegen ihres Glaubens hingerichtet wurden, die ihr Glaubenszeugnis und ihre Standhaftigkeit (und oft nur ihre Zugehörigkeit zur Kirche) mit dem Leben bezahlen mussten.

Dies geschieht weitgehend unbemerkt von der Weltöffentlichkeit, die das auch nur mäßig zu interessieren scheint. Die Politik setzt da wohl andere Schwerpunkte, beachtet vor allem wirtschaftliche Interessen. „Erst kommt das Fressen, dann die Moral“, wusste schon Bertolt Brecht. Und immer wieder höre ich Einwände, von Christen gehe doch auch Gewalt aus, damals die Kreuzzüge, die Missbrauchsskandale… Natürlich: Auch die Kirchen und manche Menschen in ihr haben Schuld auf sich geladen. Aber dagegen kann man doch nicht anderes Unrecht aufrechnen. Gerade weil wir wissen, dass Gott es anders will, dass unser Herr ein Gott des Friedens ist. Und wir dürfen nicht schweigen, wenn Unrecht geschieht und das Blut anderer Menschen schreit. Ich will für sie eintreten, wo immer es möglich ist. Und Gott danken, dass ich noch in aller Freiheit meinen Glauben bekennen kann.

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So. 14.08.16
Nicht einfach zu knicken
Alexa Wilke
Nicht einfach zu knicken

Eigentlich war einfach ein netter Abend geplant. Daraus wurde nichts. Das hatte er gleich gesehen, als sein Freund in der Tür stand. „Frag nicht!“, sagte der, grüßte kaum und saß kurz danach ziemlich geknickt auf dem Sofa. „Mensch, es gibt Tage…“ fing er an. Der Morgen beim dementen Vater. Und am Nachmittag dann auch noch Streit mit seiner Freundin. „Es gibt Tage, die ziehen einen nur runter...“

Im Laufe des Abends erzählte er. Der Vater am Morgen. Früher war er offen für die Welt, hatte Freunde und stand im Leben. „Er hatte richtig Feuer, weißt Du?“ Und heute erkundigten sich die Nachbarn zwar höflich, wie es ihm ginge. Doch hinter der Hecke hörte er sie munkeln: „Mit dem ist nichts mehr los!“ „Und dabei ist das nicht wahr! Wenn ich Papa Bilder von früher zeige, dann funkeln seine Augen richtig. Und ich sehe wieder den Papa, der er immer für mich gewesen ist.“

Eine Weile blieb er ruhig. „Aber das mit der Moni…“ begann er dann. „Das mit der Moni – ich hab wirklich Angst, dass das in all der Belastung zerbricht.“ Er sackte noch tiefer in sich zusammen: „Mensch, ich will sie nicht so knicken…“

Eigentlich war ein netter Abend geplant. Und nun saß sein Freund auf dem Sofa, erzählte und schimpfte, versank in Gedanken. Erzählte sich Stück um Stück aus seiner Traurigkeit und seinem Ärger über sich selber heraus und wurde ruhiger. Hätte er den Wochenspruch für die kommende Woche gekannt. Er hätte etwas mit ihm anfangen können. In solchen Begegnungen wie denen, die ihn an diesem Tag runtergezogen hatten, können wir ahnen, was es bedeutet (Jesaja 42,3), „Gott wird das geknickte Rohr nicht zerbrechen und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen.“

 

 

 

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So. 07.08.16
Wie schön, es läutet!
Frank Hasselberg
Wie schön, es läutet!

„Fest gemauert in der Erden

Steht die Form, aus Lehm gebrannt…“

So beginnt Friedrich von Schillers „Lied von der Glocke“. Generationen von Schulkindern mussten es auswendig lernen. Hören Sie manchmal die Glocken Ihrer Kirche? Und wenn ja: Hören Sie das Geläut gern, stört es Sie, oder gehört es einfach dazu? Schrecken Sie aus dem Schlaf auf oder sitzen Sie dann beim Essen oder vor dem Fernseher?

Immer wieder einmal beschweren sich Nachbarn über das Läuten der Kirchenglocken. Sie beschweren sich allerdings auch über den „Lärm“ der spielenden Kinder im Kindergarten nebenan. Manche Menschen stört sowieso und aus Prinzip jedes Geräusch, das sie nicht selber verursachen. Dabei rufen Kirchenglocken nicht nur zum Gottesdienst, sondern sie begleiten das Leben von uns Menschen: bei der Taufe, der Trauung, auch am Ende des Lebens. Und was wäre der Heilige Abend ohne volles Geläut?

Glocken gehören seit vielen Jahrhunderten zu unserer Kultur des „christlichen Abendlandes“, das wird leider von manchen vergessen. Sie zeigen die Uhrzeit an, und früher dienten sie auch als Warnsignal vor Unwettern, Feuern oder bei kriegerischen Bedrohungen. Ich denke an die Freiheitsglocke in Philadelphia, die eng verknüpft ist mit der Unabhängigkeit der USA. Glocken als Symbol der Freiheit!

Leider können auch die besten Dinge, kann auch Religion missbraucht werden, das erleben wir nicht nur in dieser Zeit des islamistischen Terrors. Im 2. Weltkrieg mussten viele Kirchengemeinden ihre Glocken an die Machthaber des Nazi-Staates abgeben, das Metall wurde zu Gewehrkugeln umgegossen. So waren und sind unsere Glocken eine Zeitansage in mehrerer Hinsicht. In jedem Fall aber verweisen sie auf die höhere Macht, die unser Leben bestimmt, sie weiten den Blick auf eine andere Dimension. Sie erinnern uns an Gott.

Apropos. Waren Sie schon einmal in einem islamisch geprägten Land? Wer da die Rufe der Muezzin von jedem Minarett, meist noch leicht zeitversetzt, gehört hat, weiß den heimischen Glockenturm zu schätzen. Ich fand das enorm wohltuend, nachdem ich einmal eine Nilkreuzfahrt mitgemacht hatte. Wie herrlich war da der heimische Glockenklang, ein Stück Zuhause. Wie heißt es so schön am Ende von Schillers Glocke:

„Zur Eintracht, zu herzinnigem Vereine

Versammle sie die liebende Gemeine….

Freude dieser Stadt bedeute,

Friede sei ihr erst Geläute.“

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So. 12.06.16
Steh-Tipp für mit ohne Handy
Dr. Matthias Wilke
Steh-Tipp für mit ohne Handy

„Wenn Sie bei der Schnäppchenjagd im Kaufhaus jemanden verloren haben: geraten Sie, bitte, nicht in Panik! Bleiben Sie erst einmal ruhig stehen, gucken sich um – und gehen dann zu dem Punkt zurück, an dem Sie den anderen zuletzt gesehen haben. Hier verharren Sie und warten. Spätestens nach Ladenschluss werden Sie einander wiederhaben.“

Habe ich aus irgendwelchen Gründen kein Handy, um den anderen mal schnell anzurufen und zu fragen: „Ey, wo bist Du denn?“, dann mag dieser Steh-Tipp hilfreich sein. Jemanden zu suchen, muss nicht bedeuten, durch die Gegend zu laufen, sondern kann gerade auch heißen: stehen zu bleiben. Vielleicht stehen zu bleiben oder immer wieder nach kurzen Gängen zurückzukehren an einen Punkt, von dem ich überzeugt bin, dass der andere hier früher oder später wieder vorbeikommt. Denn hier waren wir schon einmal zusammen, bevor wir uns aus den Augen verloren. Auf diese Weise jemanden zu suchen, das erfordert viel Geduld, zugegeben. Vor allem, wenn zwei, die sich suchen, beide an irgendeinem Punkt stehen bleiben und darauf warten, dass sich der andere bewegt. Das gilt für zwei im Kaufhaus. Das gilt aber wohl auch für mich und den, den meine Seele sucht. Wer bewegt sich: er oder ich oder wir beide? Und an welchem Punkt waren wir das letzte Mal zusammen? Ohne, dass geklärt wäre, wer sich bewegt und wer wo wartet, heißt es von ihm, den meine Seele sucht, im Evangelium nach Lukas: „ER ist gekommen, um zu suchen und zu retten, was verloren ist“ (Lukas 19,10). Also: Spätestens nach Ladenschluss weiß auch ich, dass ich gefunden bin. Das erfordert Geduld, aber ist auch eine echte Verheißung.

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Dr. Matthias Wilke

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Fr. 15.04.16
Das Wort Gottes ist süßer als Honig
Haike Gleede
Das Wort Gottes ist süßer als Honig

 

Mit einem Korb voll frischer Mango-Früchte war der kleine Junge am Morgen in die Stadt zum Markt gezogen. Er saß unter einem Baum und bot seine Früchte an. Noch hatte er keine Erfahrung im Verkaufen. Er war ungeübt und etwas schüchtern. Ängstlich saß er da. Je mutloser er wurde, umso schwächer wurde auch seine Stimme.

Sein Angebot fand überhaupt keine Resonanz. Die Stunden vergingen. Es wurde Mittag. Heiß brannte die Sonne vom Himmel. Die Leute hatten Durst aber seine schönen Mangos fanden keine Beachtung. Er wurde missmutig. Er war enttäuscht und sehr frustriert.

Schließlich sagte er sich: Wenn schon keiner meine schönen Mangos haben will, will ich mir wenigstens selbst eine gönnen. Er nahm eine schone Frucht aus dem Korb und biss hinein. Sie schmeckte ihm. Der Saft erfrischte ihn, lief auch ein wenig seinen Mundwinkeln herunter und die Mango-Frucht verbreitete ihren Duft. Seine Augen gewannen Glanz. Man sah es ihm an, dass es ihm schmeckte. Er genoss seine Mango.

Die Leute, die vorübergingen rochen den Duft. Sie sahen den kleinen Mann genüsslich essen und bekamen Appetit.  Jetzt griffen sie zu und schnell war der Korb leer. Der kleine Junge wusste jetzt, wie man die Mango-Früchte an den Mann bringt.

Der Kleine hatte eine neue wichtige Erkenntnis gewonnen: Alles Reden hatte nichts genützt. Erst als er selber aß und die Leute ihn sahen, wie gut die Frucht schmeckte, griffen sie zu.

Diese Geschichte ist ein Bild für unsere Arbeit in den Kirchengemeinden und im Kirchenkreis. Wie machen wir den Menschen das Wort Gottes schmackhaft, wie machen wir ihnen Appetit darauf und wie wirken wir einladend.

Reden wir oft nicht nur über das Wort, schüchtern und zurückhaltend, wie der kleine Junge, der versucht seine Mangos zu verlaufen?

Verzetteln wir uns nicht manchmal in vielen formalen Details, in Richtlinien und Vorgaben und verlieren dabei aus den Augen, worum es eigentlich geht?

Dem Wort Gottes  Raum und Zeit zu geben, damit es die Menschen mit Freude aufnehmen können.

"Dein Wort ist meinem Mund süßer als Honig..." (Ps 119, 103)

Der Psalm 119 ist ein faszinierender Psalm: Er ist mit seinen 176 Versen mit Abstand der längste der Psalmen; und er ist sprachlich ein richtiges Kunstwerk: Der Psalm hat 22 Strophen, und im hebräischen Urtext sind die Anfangsbuchstaben dieser Strophen die 22 Buchstaben des hebräischen Alphabets. Jede Strophe wiederum hat 8 Verse, die alle mit dem gleichen Buchstaben beginnen, also 8 Verse mit A, 8 Verse mit B usw. Es ist schlichtweg gewaltig! Und dieses sprachliche Kunstwerk hat letztlich ein einziges Thema zum Inhalt: Es besingt das Wort Gottes. Der Psalmbeter freut sich über das Wort Gottes, er fragt nach dem Wort Gottes, er klagt darüber, dass so viele Menschen das Wort Gottes nicht beachten , er sucht Trost darin und Schutz, er hofft darauf. Er gibt sich ganz dem Wort Gottes hin. Mit allen Sinnen will er es wahrnehmen, danach greifen, es im Herzen spüren, schmecken, hören, rufen, sehen. Nichts ist dem Dichter wichtiger. Er kann nicht aufhören, davon zu reden. Es steht über allem und er richtet sein Leben ganz danach aus. Genüsslich singt er von Gottes Weisungen.

Gottes Wort begegnet ihm als "Gebot, Gesetz, Befehl, Satzung, Vorschrift, Ordnung, Wort, Reden, Verheissung, Mahnung". Begriffe, die in unserem Sprachgebrauch nicht immer positiv belegt sind. Manche dieser Begriffe verwenden wir auch in unseren formalen  Zusammenhängen. So verschaffen wir uns einen Überblick über die vielfältigen, oft verwirrenden Aufgaben, über Finanzen und  Zusammenhänge. Das ist auch richtig und wichtig, um die Angelegenheiten der Kirche zu regeln. So schaffen wir eine gemeinsame Basis. So schaffen wir auch Möglichkeiten für Gottes Wort, das nicht im leeren Raum schwebt, sondern ganz konkret erfahrbar werden will.  Psalm 119 ist ein leidenschaftlicher, sehr engagierter Psalm.

Der Lieblingspsalm von Dietrich Bonhoeffer übrigens, der ja am 9.4. 1945 hingerichtet wurde. Vers 103 nennt er den poetischen Höhepunkt:

Dein Wort ist meinem Munde süßer als Honig.       

Er weiß auch, dass es mühsam ist, sich durch diesen Psalm zu arbeiten. Es ist keine leichte Kost. Dietrich Bonhoeffer schreibt über diesen Psalm:

„Besonders schwer wird uns vielleicht der 119. Psalm um seiner Länge und Gleichmäßigkeit willen. Hier hilft uns ein langsames, stilles, geduldiges Fortschreiten von Wort zu Wort, von Satz zu Satz. Dann erkennen wir, dass die scheinbaren Wiederholungen doch immer neue Wendungen der einen Sache sind, der Liebe zu Gottes Wort. Wie diese Liebe kein Ende nehmen kann, so auch die Worte nicht, die sie bekennen. Sie wollen uns durch ein ganzes Leben begleiten und in ihrer Einfachheit werden sie zum Gebet des Kindes, des Mannes und des Greises.“ (DB in „Das Gebetbuch der Bibel“, Gesammelte Schriften Bd. IV, S.555)

Auch damit ist der Psalm wieder ein Spiegel unseres täglichen Tuns, wo sich vieles weiderholt und es doch immer nur um das eine geht: Gottes Liebe zu verkünden, - vom Wort, das Fleisch wurde zu erzählen und es so weiterzugeben, dass andere Appetit bekommen und mehr davon haben möchten.

 

Dein Wort ist meinem Munde süßer als Honig.

Dein Wort macht mich klug; darum hasse ich alle falschen Wege.

Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege.

Amen.

 

 

 

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Sa. 05.03.16
Ich dachte… umsonst
Dr. Matthias Wilke
Ich dachte… umsonst

Nach so mancher „Tagesschau“ liegt es nicht fern, resigniert zu denken: Für eine menschenfreundlichere Welt sich einzusetzen, ist doch zwecklos. Oder wie schon der Prophet Jesaja klagte: „Ich dachte, ich arbeitete vergeblich und verzehre meine Kraft umsonst“ (Jesaja 49,4). Doch Jesaja besann sich darauf, dass er letztlich nicht für sich selbst an seinen Idealen festhielt, sondern um vielen, ihm noch ganz fremden Menschen das Licht des Glaubens und der Hoffnung zu bringen. Manchmal funkelt es in den seltsamsten Situationen auf.

Dazu für uns heute eine kleine Geschichte aus Österreich. Einem Salzburger Bauern erging es einmal so, sagt eine alte Sage: Der Bauer war ein schlauer Fuchs, auch irgendwie gottesfürchtig, hatte aber stets Angst, er könnte zu wenig für sich übrig behalten. Eines Tages wurde er gebeten, seinen Hof für Durchreisende zu öffnen. Der Bauer stimmte nach einigem Bedenken zu, machte aber zur Bedingung, dass alle, die über seinen Hof wollten, ein „Vergelt´s Gott“ für ihn sprächen. Gesagt getan. Wenige Jahre später starb der Bauer und klopfte an die Himmelstür. Petrus war ganz verdutzt, was denn der bei ihm wollte. Doch der Bauer wies ihn auf die vielen „Vergelte es Dir Gott, was Du an uns tust“ hin – und Petrus nahm die Worte der Durchreisenden Ernst und ließ den Bauern „in den Himmi einischlupfen“.

Als norddeutscher Protestant werde ich immer darauf beharren: Den Platz bei Gott kann man sich weder ergaunern noch verdienen. Aber die Geschichte lässt mich doch auch still lächeln. Denn es macht mir Mut, mir vorzustellen, dass die Begegnung mit „den Fremden“ dem Bauern ebenso wie einst Jesaja hilft, seinen Weg mit und zu Gott (wieder) zu finden.

 

 

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Fr. 29.01.16
Petrus erzählt
Gunda Handrich
Petrus erzählt

„Wenn ich damals in die Zukunft hätte schauen können, wäre es mir womöglich leichter gefallen, das alles zu verarbeiten. Aber so ist das nun mal. Das Leben wird nach vorne gelebt. Ich spüre immer noch den Schmerz, wenn ich an die Tage damals zurückdenke...
Am Abend wollten wir feiern: Das Fest der Befreiung. Den ganzen Tag waren wir mit den Vorbereitungen beschäftigt. Schließlich war es so weit. Wir tranken, lachten, tanzten, bevor wir uns zu Tisch setzten. Nur einer machte nicht mit und war so merkwürdig still. Er war mit seinen Gedanken ganz woanders.
Wir feierten die Freiheit, und er sprach vom Leiden. Dieses Wort und sein Gesichtsausdruck ließen uns verstummen. In die Stille hinein sprach er die Sätze, die wir heute noch sprechen: ‚Dies ist mein Leib ... Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut... Solches tut zu meinem Gedächtnis.‘ So aßen und tranken wir in Gemeinschaft – verwirrt und schweigend.
Er sah so traurig aus. Es fühlte sich alles so nach Abschied an. Und ich wollte ihn aufmuntern und trösten und ihm zeigen, dass er nicht traurig sein müsse, ich wäre doch bei ihm. Ich würde ihm auch in schweren Zeiten zur Seite stehen. Wenn mir das Herz überläuft, kann ich einfach meine Klappe nicht halten. Jesus kannte mich besser. Er wusste schon an diesem Abend, dass ich ihn verleugnen und im Stich lassen würde. Sie haben ihn gefangen genommen und brutal behandelt. Zuerst blieb ich in seiner Nähe. Aber als es darauf ankam, habe ich ihn verleugnet – dreimal – im Morgengrauen krähte der Hahn. Sie haben ihn getötet, und ich habe zugesehen.
Drei Tage, drei endlose Tage war ich wie gelähmt, obwohl es mir das Herz zerriss. Und ich schämte mich so. So viel hatte ich gewollt, aber meine Angst war größer, ich hatte kläglich versagt. Aber dann kam tatsächlich die Befreiung. Jesus hatte mich und die anderen nicht aufgegeben. Er war wieder bei uns und traute uns zu, dass wir  aus unseren Fehlern lernen und nicht an ihnen verzweifeln. Die Frauen sagten dazu: „Der Herr ist auferstanden!“ Seitdem tragen wir die Botschaft von der Freiheit, die stark macht und ewig währt, in die Welt.“

Eine gesegnete Passionszeit und dann frohe Ostern wünscht Ihnen und Euch
Gunda Handrich, Pastorin in Scheeßel

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So. 03.01.16
Zeitenwechsel?
Roger Moch
Zeitenwechsel?

Das Neue Jahr hat begonnen. Was wird es diesmal bringen? „Siehe, ich will ein Neues schaffen!“ Das hat Gott vor mehr als zweieinhalbtausend Jahren seinem Propheten Jesaja (Jes 43,19) angekündigt. Der hat es weiter gesagt an Leute, die ihr Leben aus verschiedenen Gründen nicht mehr ertragen konnten. „Siehe, ich will ein Neues schaffen!“ Auch das noch, in dieser Zeit, wo soviel passiert und nichts mehr so bleibt, wie es war. Bitte nicht noch mehr Neues! Ich habe genug von all den Veränderungen und Neuerungen der letzten Monate. Neuerungen bringen fast immer Unruhe mit sich und kaum etwas Gutes. Vermutlich kennen auch Sie Lebensverhältnisse und Beziehungen, die nicht so bleiben können, wie Sie es gewohnt sind. So ging es den Menschen, mit denen der Prophet damals, vor fast 3.000 Jahren, sprach. Manche hatten schon aufgehört zu hoffen, dass sich irgendetwas ändern könnte. Diesen Menschen hat damals Jesaja im Auftrag Gottes gesagt: Ihr müsst nicht in einem fremdem Land als Geflohene, Verschleppte und Vertriebene die niedrigsten Arbeiten erledigen. Das ist nicht gottgewollt, dass es euch so geht. Gott selbst wird euch einen neuen Anfang möglich machen. Er wird euch aus der Sackgasse Eures Lebens führen. Mir fallen heute junge Leute ein, die trotz ausreichender Angebote aus verschiedenen Gründen keinen Ausbildungsplatz finden. Ich denke an lieblos gewordene Partnerschaften und an Menschen, deren Krankheit ihr Leben plötzlich umkrempelt. Manche Menschen fühlen sich wie gefangen in ihrem Leben oder in ihrem Land. Und für die gilt Gottes Ankündigung: „Siehe, ich will ein Neues schaffen!“ Ich glaube, das gilt bis heute für die, die nicht mehr weiterkönnen und nicht mehr weiterwissen. Für die, die spüren, wenn sich nicht bald etwas ändert, dann bleibt nichts Sinnvolles mehr übrig von meinem Leben. Es gibt Menschen, die fühlen sich wie eingesperrt in ihrem Leben. Weil sie im falschen Land sind. Oder weil sie dort keinen Platz finden können. Oder weil es ihnen nicht gelingt, auch mal Nein zu sagen. Oder weil sie sich auffressen lassen von den Ansprüchen anderer. Aber nicht allein für diese Menschen gilt der Spruch: „Siehe, ich will ein Neues schaffen!“. Manchmal sieht man wirklich nicht, dass das Neue schon angefangen hat. Wir schaffen das schon, gerade wenn im neuen Jahr wieder unvorhergesehene Dinge geschehen werden.

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Mi. 02.12.15
Triumphzug der Armut
Dr. Matthias Wilke
Triumphzug der Armut

„Siehe, dein König kommt zu Dir, … ein Helfer, … arm und reitet auf einem Esel!“ Es ist Advent! Spätestens zu dieser Jahreszeit werden die Könige wieder zu Bettlern – und Gott nimmt sich der Armen besonders an. Und wie mag das aussehen?

„Triumphzug der Armut“, so hat Hans Holbein (der Jüngere) um das Jahr 1530 eines seiner Bilder überschrieben. Sie finden es ganz einfach, wenn Sie den hier angegebenen Link einfach anklicken. http://www.fraperu.de/ftp/homepage45/3148.JPG Das Originalbild zierte einst in London einen Saal im Haus der Hanse. Hier tanzten die Söhne reicher Kaufleute. Hier wurden sie ausgebildet und im „Networking“ geschult – und hier ließen sie sich die Armut vor Augen malen. Warum? Schaue ich auf das Bild, so fällt mir auf: Da steht viel in Latein geschrieben und das Bild ist alt und unverständlich. Nehme ich mir aber die Zeit, genauer hinzuschauen (und übersetzt mir einer die lateinischen Begriffe), so sehe ich auch: Die Gestalt, die diesen seltsamen Zug arm aussehender Gestalten anführt, trägt nicht den Namen „Unruhe oder Besorgnis (Sollicitudo)“. Das hätte mir eingeleuchtet, denn was sonst macht Armut aus? Das aber steht erst über der zweiten Figur. Angeführt wird der Zug hingegen von der „Achtsamkeit (diligentia)“. Spätestens bei diesem Wort werde ich hellhörig. Es ist Advent – und im Advent 2015 tut es mir gut, mir vor Augen malen zu lassen, dass auch ich nicht von der Besorgnis durchs Leben getrieben werde, sondern die Achtsamkeit mich leitet. „Siehe, dein König kommt zu Dir, … ein Helfer.“ Er reitet nicht an uns vorbei, sagt der Glaube, sondern bleibt aufmerksam stehen, um mit uns zu gehen – in aller Besorgnis.

 

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So. 22.11.15
„Pray for Paris“ – „Betet für Paris“
Haike Gleede
„Pray for Paris“ – „Betet für Paris“

„Pray for Paris“ – „Betet für Paris“ – nur Stunden nach den grausamen Anschlägen in Paris am Abend des 13. November geht dieser Aufruf durch die Medien. „Betet für Paris“ – weltweit tun das tausende Menschen verschiedener Herkunft und Religion. Die Wahrzeichen vieler Städte erstrahlen in den Farben der französischen Flagge, ein Meer von Blumen und Lichtern in vielen Städten der Welt zeigen die Anteilnahme der Menschen. Das, was da geschehen ist, ist schockierend. Junge Männer sprengen sich selbst in die Luft und reißen andere mit in den Tod.

Solche skrupellosen und unmenschlichen Taten erschüttern uns. Trauer und Angst ergreifen die Herzen. Gehört der Terror zu den Lebens Risiken des 21. Jahrhunderts, wie der Präsident des EU-Parlamentes, Martin Schulz kürzlich in einer Fernsehsendung sagte?

Und auch die Frage nach den Schuldigen wird bald gestellt. Die Terroranschläge in Paris schüren die Vorurteile gegen die Flüchtlinge. Sind diese Terroristen womöglich mit den Flüchtlingsströmen nach Europa kommen? Angst macht hart und ungerecht.

Was können wir tun? Uns abschotten und möglichst nicht mehr das Haus verlassen? Mir gefällt die Haltung der Franzosen, die sich nicht einschüchtern lassen. Sie lassen sich ihre Lebensart und ihren Freigeist nicht nehmen. Im Moment steht natürlich die Trauer im Vordergrund und die Frage: Was können wir tun um so etwas in Zukunft zu vermeiden? Ich denke, Kerzen und Blumen sind eine gute Möglichkeit, Betroffenheit und Solidarität auszudrücken. Gebete und Gemeinschaft sind ein wirkungsvolles Mittel gegen Gewalt und Grausamkeit. Menschen in aller Welt und aller Religionen trauern mit Frankreich und rücken näher zusammen. Für mich ist das ein starkes Zeichen.

Heute feiern wir in unseren Kirchen den Ewigkeitssonntag – wir gedenken der Verstorbenen des vergangenen Jahres und zünden Lichter für sie an. Es sind Hoffnungslichter, die Trost und Kraft schenken. Und wir denken dabei auch an die Opfer des Terroranschlages in Paris und schließen sie in unsere Gebete ein.

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Mo. 14.09.15
Sieben in einer Warteschlange
Dr. Matthias Wilke
Sieben in einer Warteschlange

„Jesus Christus hat dem Tod die Macht genommen und das Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht“ (2. Timotheus 1,10). Das heißt übersetzt: ich muss nicht mehr vor dem Tod zurückschrecken, sondern kann mich darauf konzentrieren zu leben. Was würde passieren, wenn ich das begreifen könnte? Reihen wir uns einmal ein in die Schlange derer, die darauf warten, dass sie an der Reihe sind.

Ein Bahnhofsschalter. Hinter uns ein Mann, Anfang 60, weißhaarig, gepflegtes Äußeres. Er und seine Frau – ein Team: er redet, sie bestätigt. Beide werden von einer kleinen, korpulenten Dame an die Seite gedrängt, die eine zweite Frau mit Krückstock hinter sich her dirigiert. Der gepflegte Weiße: „Da hinten ist das Ende…“ – die korpulente Kleine: „Wir sind zu 90% schwerbehindert und dürfen hier gleich nach vorne.“ Der Mann nach kurzer Erregung zu seiner Frau: „Man sollte zwei Schlangen einrichten: eine für Behinderte und Senioren und eine für Normale.“ Wo würde er sich einreihen? Und was würde sich ändern, wenn er sich darauf konzentrieren würde, wie und wofür er lebt?

Zweite Szene. Gleiche Schlange vor uns. Ein junger Mann vertieft sich in sein Smartphone. Darauf ein Bild: eine Frau mit Mütze, trauriger Blick, ein Winken? Ein Bild zurück auf das Land, von dem er gerade abgelegt hat. Lange schaut er, dann schaltet er um auf „Fotografieren“, zieht ein Dokument aus der Tasche („Mehrzwecktasche zum wiederholten Gebrauch“ steht unten auf ihr geschrieben) und fotografiert es ab: „Antrag auf Bundesdeutsches Asyl“. Was für ein Bild wäre auf meinem Smartphone? Und was würde ich ändern, wenn ich begreifen könnte, dass ich frei bin, zu leben?

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Mo. 20.07.15
Kirche im Urlaub
Jens Ubben
Kirche im Urlaub

Ein paar Schritte durch eine Tür, und alles ist anders. Gerade war noch Straßenlärm, und jetzt wird es still. Der Blick geht nach vorn, den Gang entlang, Richtung
Altar. Wenn Menschen in Kirchen gehen, tauchen sie ein in eine andere Welt.
Gerade an Urlaubsorten schauen viele Menschen in Kirchen. Ganz bewusst tun sie das im Urlaub. Da ist Zeit für Dinge, die sonst nicht in den Alltag hineinpassen.
Da ist Luft, sich genauer mit dem eigenen Leben zu beschäftigen, über Vorhaben nachzudenken, Neues zu planen. Urlaubszeiten sind besondere Zeiten. Genauso wie Kirchen besondere Orte sind. Urlaube und Kirchen ragen heraus aus dem Alltäglichen. Viele Kirchen strahlen Wärme aus, bieten Geborgenheit. Sie atmen Geschichte und lassen Gottes Gegenwart spürbar werden.
Manche Kirchen am Urlaubsort kommen dagegen ganz unscheinbar daher, sind gar nicht sofort als Kirche zu erkennen. Vielleicht gibt es wenige Christen vor Ort, und ihre Treffpunkte sind kaum zu entdecken. Das zeigt uns doch: Im tiefsten sind es nicht die Räumlichkeiten, die eine Gemeinde ausmachen. So mag es an manchen Orten wunderbare Kathedralen geben, während Gottesdienste in ihnen nicht die Leidenschaft für einen lebendigen Gott spüren lassen. An anderen Orten mag das Gebäude wenig ansprechend erscheinen, doch in ihnen werden fröhliche Gottesdienste gefeiert, die im Herzen etwas in Bewegung setzen.
Wäre das nicht ein Vorhaben für den Sommerurlaub: Am Zielort Ausschau zu halten nach einer Kirche. Auch die unscheinbaren Kirchgebäude einmal bewusst anzusteuern. Sich überraschen zu lassen, wie Menschen vor Ort Gotteshäuser gebaut haben. Und dann Christen auch in anderen Gegenden, anderen Ländern und Kulturen wahrzunehmen und den Kontakt zu suchen. Bewusst einen Gottesdienst mitzuerleben. Neugierig zu sein, was dort vor Ort passiert. Und vielleicht den ein oder anderen Impuls in unsere Region mitzubringen?

Einen anregenden Sommer wünscht Ihnen Jens Ubben

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Mo. 18.05.15
20:07 Uhr vor dem Fernseher
Dr. Matthias Wilke
20:07 Uhr vor dem Fernseher

Es ist kurz vor acht. Der Fernseher läuft. „… Licht“, sagt er in Gedanken verloren. Wartend sitzt er vor dem Apparat und erzählt sich gerade noch etwas, was er im Laufe seines langen Lebens erlebt hat, zählt leise Namen und Stationen von damals auf: der Krieg, Feinde und Freunde, dann die Familie. Es ist kurz vor acht. „Jetzt aber, jetzt ist Frieden“, sagt er nun lauter zu sich und fügt hinzu: „Gott sei Dank!“ Seine Hände legen sich wie von selbst ineinander, bevor seine Lippen sich an die Worte des 27. Psalms erinnern, den Psalm für den morgigen Sonntag: „Der Herr ist mein Licht und mein Heil…“. Aus dem Fernseher dringt die allabendliche Melodie zu ihm durch, die ihn daran erinnert: 20.00 Uhr, Nachrichten. Gehorsam dem Ton folgend richtet er seinen Blick auf die Ereignisse der Welt. Aus dem „ich erzähle mir mein Leben“ wird für ihn um acht Uhr abends ein Zuschauen und Zuhören. Er schaut Nachrichten, sieht Bilder aus Nepal, vom Mittelmeer, aus Auschwitz und Israel – und hört zu. Dabei blickt er erst geradeaus auf die Bilder, dann hinunter auf seine noch gefalteten Hände. Es sind nur wenige Sekunden, um kurz nach acht Uhr abends, in denen dann das Folgende geschieht. In diesen wenigen Sekunden drückt er alles Dunkle, Unfassbare, Grausame, das er gerade gesehen hat, in seine betenden Hände. Nicht zu fest, liebevoll bittend. Gerade noch erinnerte er sich an Gottes Licht in seinem Leben – und er will, dass auch die Welt heller werde. Nur so ungefähr hat er den 27. Psalm noch im Ohr, aber das genügt ihm, um in diesem alten jüdischen Gebet Halt zu finden – um 20:07 Uhr vor dem Fernseher: „HERR, höre meine Stimme, wenn ich rufe; sei uns gnädig und antworte uns!“

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Sa. 04.04.15
Was vor den Fischstäbchen kommt
Dr. Matthias Wilke
Was vor den Fischstäbchen kommt

Einer erzählt: Am letzten Wochenende ging es los. Lächelnd schaute er mich an, mit Schmetterlingen auf der ersten Seite, mein Werbeprospekt, und nahm mir die Worte nahezu aus dem Mund: „Mein Ostern. Ein ganz besonderes Fest.“ Ja! So soll es werden. Und wenn es mir hilft, dann eben mit den auf Seite 1 angepriesenen Fischstäbchen. Warum nicht? Mein Ostern soll eben mein Ostern sein. Ein Fest für mich. Also ging ich im Supermarkt angeln.

Am Donnerstag dann wurde ich kurz nachdenklich. Denn meine Mutter wollte unbedingt, dass ich sie am Abend ins Gemeindehaus fahre: Tischabendmahl. Tu ich ja gerne. Und da saßen sie dann, alle so im Alter meiner Mutter oder älter, saßen um einen Tisch. Als ich Mutter wieder abholte, strahlte sie: „War schön!“ Und ich wurde nachdenklich. Ob ich sie jetzt am Sonntag auch zum Gottesdienst fahren muss – erst Gottesdienst, dann Fischstäbchen?

So verwandelten sich meine Osterpläne, denn die Antwort lautete: Ja!

Und der Pastor ergänzt: Im Ostergottesdienst werden sich dann Sonntag alle mit den erstaunlichen Worten begrüßen: „Der Herr ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden!“ So steht es im Evangelium nach Lukas Kapitel 24, Vers 34. Und erst in Vers 41 heißt es dann: „Als sie es aber noch nicht glaubten …, sprach Jesus zu ihnen: Habt ihr hier etwas zu essen? Und sie legten ihm ein Stück gebratenen Fisch vor.“

Und der Erzähler fährt fort: So mag auch mein Ostern ein ganz besonderes Fest werden. Erst geh ich staunen – und dann hoffe ich, mich und meine Fischstäbchen mit anderen Augen zu sehen. Denn das Leben bietet so viel mehr: „Der Herr ist wahrhaftig auferstanden!“

 

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